Sonntag, 12. November 2017

ICH bin der Klodeckel

ICH bin der Klodeckel!!! Ich kann Euch was erzählen! Langweilig ist in mein Dasein nicht, das kann ich Euch versichern. Ich bin schließlich der "Klodeckel"!!! Stellt Euch vor, Ihr habt die glorreiche Aufgabe, Villeroy´s kalte Beckenkante mit ein klein wenig Komfort, angenehmer zu machen. Stellt Euch also deshalb auch vor, Ihr passt Euch dem Trichtervolumen geschmeidig an und gebt noch einen drauf – einen Deckel meine ich, gratis sogar!! So ist es brav! Und nun versetzt Euch mal in meine Lage, wenn da jemand kommt, der darmmäßig ein paar Probleme hat und sich dringendst einer/seiner Last entledigen muss! Ok, wenn er es gerade so eben noch schafft, meinen Deckel zu heben, und gut, wenn er sich dann auf meine Brille schmeißt, um sich seiner Not endlich zu entledigen. Das nehme ich gerne hin, denn dazu bin ich ja auch da. Aber was, wenn von seinem ‚dringenden Geschäft‘ Spuren hinterlassen werden? Ich kann ja wohl erwarten, dass man mich dann wieder säubert, oder? Tja, leider ist es mein Schicksal, dass sich über mich niemand Gedanken macht. Wie oft leide ich unter meinem 'beschissenen' Aussehen und wie oft gehe ich wohl angepisst schlafen? Dann muss ich mir auch noch immer die Vorwürfe anhören, wie ich denn wohl aussähe und es sei ja widerlich, sich bei mir und auf mir wohl zu fühlen. Zugegeben, es mag garantiert Orte geben, an denen sich die Lustobjekte der Menschheit wohler fühlen, als bei oder auf mir… Aber dafür kann ich doch nichts…! ! Ich kann Euch was berichten! Männer sind die Oberhärte!!! Viele sind immer noch der Meinung, sich ihrer Notdurft im Stehen entledigen zu müssen oder zu wollen. Ich habe diese Typen sogar nummeriert: Nummer eins sind die ekeligste und widerlichste Kategorie der Stehpinkler, die lediglich den Deckel heben, um in den Trichter zu pinkeln, ohne sich ihren Schniedel abzuwischen, wieder in der Hose verschwinden lassen und sich von Mammi dann ein bis zweimal pro Woche schön die Unterwäsche waschen lassen. Nummer zwei dieser Ferkel, sind die Typen, die zum Wasser lassen lediglich den Toilettendeckel heben, dann los strullern, die Toilettenrolle vom links oder rechts hängenden Toilettenrollenhalter runter nehmen, um sie dann vor sich, also auf den sich oftmals die hinter der Toilette befindlichen Absatz abzustellen, nachdem sie ihr bestes Stück abgetrocknet haben. Nummer drei sind für mich die Typen, die nach dem erledigten Bedürfnis dann auch noch den Toilettendeckel hochgeklappt lassen, wenn sie die Räumlichkeit verlassen. Nummer vier sind die Stehpinkler, die es dann noch nicht einmal für nötig halten, nachdem sie das letzte Blatt Papier verbraucht haben, eine neue Toilettenpapierrolle in den Papierhalter zu legen. Ich will jetzt überhaupt nicht von den ‚größeren‘ Geschäften dieser Herren reden. Mädels können das übrigens auch, nur dass sie schon wesentlich reinlicher und gewissenhafter sind. Wenigstens reinigen sie (aus Gewissheit, dass es 'Stehpinkler' gibt) meine Brille mit feuchtem Toilettenpapier, bevor sie es sich auf mir bequem machen. Überwiegend legen sie auch neues Toilettenpapier in die vorgesehen Halter ein, falls welches vorhanden ist, nachdem sie das letzte verbraucht haben. Ich habe schon die krassesten Ärsche in Punkto Reinlichkeit kennen gelernt, das dürft Ihr mir glauben!!! Echt!!! An manchen Tagen bin ich echt angepisst und fühle mich recht beschissen! So weit zu meinen kleineren oder größeren Geschäften!!! Mein Wunsch an alle Ärsche der Welt, die von mir profitieren möchten: Macht bitte meine Klappe zu, nachdem Ihr sie geöffnet habt, wischt Eure Hinterlassenschaften von meinem Gesicht und versetzt Euch ganz einfach mal in meine Lage…!! Schließlich gibt es heute ‚Gleichberechtigung‘! © Christiane Rühmann (März 2015)

Montag, 6. November 2017

Der Hund, der nicht mehr bellen wollte...

Der Hund, der nicht mehr bellen wollte Kira war eine Mischlingshündin, die in Spanien das Licht der Welt erblickte. Es war kein schönes Licht, wie sie feststellen musste. Ihre Eltern waren Straßenhunde verschiedener Rassen. Es hatte kaum Jemand Notiz von ihnen genommen. Sie wurden ge- und verjagt, wo immer sie auftauchten, erhielten Tritte und wurden mit Steinen beworfen, aber sie hatten sich lieb. Sogar, als Kiras Mama ihre Babys erwartete, war ihr Vater da. Er ließ sie alle nicht im Stich. Sie hatten kein schönes Leben. Ihr Futter besorgten sie sich aus Mülltonnen, die prall gefüllt mit entsorgten Lebensmitteln waren. Da gab es niemanden, der ihnen eine Streicheleinheit gab. Sie hörten nur die Worte: „Hau ab, Du blöder Köter…“ und verschwanden mit eingezogenen Schwänzen unter den drohenden Gebärden der Menschen. Zum Glück gab es da doch noch einige Menschen, die sich um solche gebeutelten Kreaturen bemühten und versuchten, ihnen ein schöneres und angenehmeres Leben zu bieten. Als Welpen-Hündin hat man ja auch keine Ahnung, wie grausam oder angenehm das Leben sein kann. Kira kannte beide Seiten: Die Liebe ihrer Eltern und die Fußtritte der Menschen. Sie hatte doch keine Ahnung vom Leben und war oft sehr traurig, wenn man sie verjagt hatte. Wie oft war sie mit traurigen Augen und eingekniffenem Schwanz irgendwo untergeschlüpft, ganz alleine, um sich vor Regen oder bei Gewitter zu schützen, gleichzeitig auch einen Rückzug vor den unbarmherzigen Menschen zu finden. Als Kira krank wurde, streckten sich ihr Hände entgegen, die sie aufnehmen wollten. Kraftlos und ängstlich liess sie dies über sich ergehen. Man nahm sie mit in eine ‚Tier-Auffang-Station‘, gab ihr zu essen und zu trinken. Sie wurde von einem Tierarzt untersucht und mit pieksigen Nadeln gestochen, deren Inhalt sie wieder aufpäppeln sollten. ‚Impfung‘ nannten es die Menschen. Sie wurde gewogen, gemessen, genauestens untersucht und erhielt so etwas wie einen Reisepass. Reisepass? Aber wofür denn? Kira wusste nicht, wie ihr geschah, als man sie in eine vergitterte Box sperrte und auf einen LKW lud, der sie geradewegs zum Flughafen transportierte. Alles erschien ihr so fremd, laut und ungewiss. Jedoch war sie nicht alleine. Viele Hunde wurden in den gleichen Boxen mit ihr gemeinsam in ein riesiges Loch, was sich am Heck des Transportflugzeugs befand, hineingebracht, die Boxen aufeinander gestapelt und mit Futter und Wasser versorgt. Immerhin, das war doch was – fast wie in einem Hotel. Ungewiss, was mit ihnen geschah und wohin die Reise ging, unterhielten sie sich auf ‚hundisch‘. Nero, dessen Käfig sich unter Kiras befand, erklärte sich zum Chef der kläffenden Bande und meinte: „Wuff, habt keine Angst Mädels und Jungs, schlimmer, als wir es hatten, kann es nicht werden.“ Recht sollte er behalten. Der Transport endete auf einem riesigen Flughafen in Deutschland. Eine Person, die mächtig viele Papiere mit sich führte, kontrollierte genauestens die Unterlagen und ordnete jedem Käfig einen Reisepass zu. Nun wurden sie alle wieder getrennt, denn viele Menschen warteten auf sie, die jedoch nur jeweils einige der Käfige mit sich mitnahmen. In Transportern ging es denn in alle möglichen Richtungen. Kira war verängstigt, allerdings auch froh, dass Nero zu der Gruppe gehörte, in der sie sich jetzt befand. Es war noch früh am Tag, als der Sprinter auf einem Hof zum Stehen kam. Die Hecktüren wurden geöffnet, es wurde Käfig für Käfig aus dem Wageninneren entladen und auf den Hof gestellt. Vorsichtig und liebevoll reichte man ihnen erneut Futter und Wasser durch die Käfigklappe. Damit wollte man wohl Vertrauen zu den verängstigten Gestalten gewinnen. Eine ganze Nacht sollten sie hier noch verbringen. Am anderen Morgen öffneten sich dann die Gitter, um einem Hund nach dem anderen die Gelegenheit zu geben, sich ihre neue Umgebung anzuschauen und sich einzugewöhnen. „Nero, wo sind wir hier?“ „Wuff, ich weiß es nicht. Aber hier ist es doch sehr angenehm, oder…?“ „Ja, finde ich auch. Was wird mit uns?“ „Ich weiß es nicht.“ „Die sprechen ja auch so komisch. Kannst Du sie verstehen Nero?“ „Nein, wuff, ich kann sie nicht verstehen, ich kann aber ihre Gesten verstehen. Sie sind nicht böse, ich glaube, wir können ihnen vertrauen, wuffwuff…“ Zaghaft verließ Hund um Hund seinen Käfig. Sie begannen, sich zu beschnuppern und zu belecken, als hätten sie sich ewig nicht gesehen. Eine freundliche Frau ging in die Hocke und meinte zu Kira: „Komm her, kleines Mädchen, ich tue Dir nichts….“ „Neroooooo, was meinst Du, kann ich ihr vertrauen?“ „Ich denke schon, versuche es doch.“ Kira stappste zögernd Schritt für Schritt auf die Frau zu. Sie merkte, wie ihr ganzer Körper zitterte. Sollte sie der Frau vertrauen? Würde sie keinen Fußtritt erhalten? Kira nahm ihren ganzen Mut zusammen und ließ sich von der Frau berühren, streicheln, und wagte es sogar, eine Köstlichkeit aus ihrer Hand entgegen zu nehmen. Mmmmhhh, wie lecker das schmeckte. In Gedanken sagte sie: ‚Hast Du noch so was?‘ Kira beobachtete, wie auch ihre Freunde von der Frau und ihrem Mann in gleicher Weise wie sie, behandelt wurden. Es war fast, wie im Traum. Die Käfige wurden urplötzlich eingesammelt und in einer Scheune aufgestapelt. Es war kaum zu fassen, aber alle Hunde konnten sich hier frei bewegen und umhertollen, ohne, dass ihnen ein Leid geschah. Sie befanden sich auf einem Grundstück von etwa 1.500 qm, das zwar eingezäunt war, aber es machte Spaß, hier herumzutollen. Oh, was war das denn? Es gab ja hier kleine Häuser – extra für Hunde! Was für ein Luxus! Kira, Nero und ihre Freunde bemerkten bald, dass es ihnen hier gut gehen sollte. Jeder Hund fand seine Hütte und machte es sich bequem. Alle fühlten sich wohl und verlebten die erste Nacht in ihrer neuen Heimat. Am anderen Morgen kam der Mann und befüllte die Näpfe mit Hundefutter, die vor jedem ‚Hundewohnhaus‘ standen. Dann wurde Wasser aufgefüllt. So ging es nun tagein und tagaus. Mittlerweile hatten sich alle an die lieben Menschen gewöhnt. Vor ein paar Tagen bekam sogar jedes Hundehäuschen sogar ein Namensschild. Da Hunde ja bekanntlich nicht lesen können, war es wohl nur ein Hilfsmittel für die Menschen, die Tiere namentlich auseinander zu halten und um sie bei Bedarf mit ihrem Namen rufen zu können. „Toll, Nero, ich kann sie langsam verstehen!“ „Wuff, ja ich auch!“ Dann kam ein Tag, an dem sich ganz viele Menschen auf dem Gelände tummelten. Familien mit Kindern. Sie schauten sich alle Hunde zunächst aus der Ferne an, und nachdem sie scheinbar entschlossen waren, holte man einen nach dem anderen aus dem Gehege, legte ihnen Halsbänder oder Geschirre an, um eine Weile mit ihnen spazieren zu gehen. Nach einer guten Stunde kamen dann alle wieder zum Hof zurück. Die Menschen plauderten miteinander und nach und nach verschwand ein Hund nach dem anderen vom neu gewonnen Heim, um wiederum ein neues zu Hause zu finden. Auch Nero konnte vermittelt werden und wurde einfach mitgenommen. Er drehte sich nochmal um und wimmerte: ‚Kira, Kiiiiraaaa….“ Kira begann zu weinen und rief ihm traurig wimmernd hinterher: „Alles Gute Nero! Ich habe Dich sooo lieb. Du bist mein bester Freund!“ Nero verschwand aus ihrer Sicht und Kira fühlte sich nun sehr alleine. Wollte sie denn niemand haben? War sie nicht hübsch genug? Lag es an ihrem ein klein wenig verkrüppelten Beinchen? Sie war in der Tat der einzige Hund, der nicht vermittelt wurde. Sie entschloss, nicht mehr zu bellen und überhaupt keinen Laut mehr von sich zu geben. Am liebsten wäre sie mit Nero gegangen, aber der war ja jetzt weg – einfach weg - aus ihrem Leben verschwunden. Auch wollte sie nicht mehr fressen. Die freundlichen Menschen, bei denen sie leben durfte, versuchten alles, um sie zu trösten und ihr das Dasein so angenehm wie möglich, zu gestalten. Ihnen war auch nicht entgangen, dass Kira eine gewisse Zuneigung zu Nero gehabt hatte. Machtlos mussten sie mit ansehen, wie Kira Tag für Tag an Substanz verlor. Sie begann zu schwächeln, bekam Husten, war einfach nur hinfällig und traurig. Als Kira nach etwa 4 Wochen bedrohlich erkrankte, hatten ihre Gastgeber wohl die rettende Idee gehabt, und die neuen ‚Besitzer‘ von Nero kontaktiert, die Situation geschildert und gebeten, Kira doch mit Nero besuchen zu kommen. Man verabredete sich für das folgende Wochenende. Nero wurde toll herausgeputzt und sollte Kira wiedersehen, was er jedoch nicht ahnte. Man lud ihn in seine Box in dem großen Kombi und machte sich mit ihm auf den Weg zur Hunde-Auffang-Station. Bereits Kilometer vorher begann Nero zu wimmern und aufgeregt in seinem Käfig hin und her zu tänzeln. Kira lag unterdessen verkümmert und traurig in ihrem Häuschen, als sie mit einem Mal ihren Kopf erhob, als hätte ihr ein GPS mitgeteilt, dass es heute ein schöner Tag für sie werden würde. Der Kombi rollte auf den Hof. Nero tobte fast in seinem Käfig. Die Kinder öffneten die Heckklappe, die Käfigtür und ließen Nero laufen. Der spritzte gleich los und übersprang –fast unmöglich- den Zaun, um zu seiner geliebten kleinen Kira zu gelangen, die ihn natürlich auch gleich gewittert hatte. „Neeeroooo…!!!!“ „Kiiiiraaaaaa!!!“ Die beiden Hunde begrüßten sich übermäßig glücklich, tollten herum und Kira bellte, als hätte sie gerade einen Sechser in der Hundelotterie gewonnen. Liebevoller konnte keine Begegnung sein!! Die Hofbesitzer und Neros neue Familie beobachteten dieses Zusammentreffen mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Wie sollte es gehen, wenn Nero erneut nach Hause fuhr? Wie würde Kira erneut leiden? Da Kinder bei der Tierhaltung bekanntlich auch ein Wörtchen mitzureden haben, hatte sich das Problem bald gelöst. „Mama, Papa, wie wäre es denn, wenn wir Kira auch zu uns nähmen? Bitte! Sie ist doch so alleine! Stellt Euch vor, Jana und ich würden getrennt, das könnten wir auch nicht verkraften, Ihr auch nicht !!!“ Die Eltern schauten sich an und bemerkten selbst, dass sie beiden Tieren ein gutes Zu Hause bieten – damit beide glücklich machen könnten. Man besprach sich mit den Hofeltern und wurde sich einig. Kira hatte nun gemeinsam mit Nero ein prachtvolles zu Hause gefunden und lebte von da an glücklich und zufrieden. Übrigens haben es beide geschafft, der Deutschen Sprache Herr zu werden und gehorchen aus lauter Dankbarkeit aufs Wort…. © Christiane Rühmann (Okt. 2015)

Samstag, 4. November 2017

Der frühe Tag

Nebel schwebt wie weisse Seide über Erdes kühlen Grund. Hoch erhebt sich eine Weide in die frühe Morgenstund. Die Sonne malt den Himmel an in wunderschönen Tönen, um die ganze Welt sodann, mit ihren Strahlen zu verwöhnen. Facettenartig liegt der Hügel am Horizont - wie Scherenschnitt. Selbst der See gleicht einem Spiegel, teilt dadurch seine Schönheit mit. Eine Krähe zerreisst mit schrillem Ruf vorübergehend die Idylle. Ein Morgen – so wie Gott ihn schuf, und schon herrscht wieder Stille. Ich schau mit wachen Augen zu, wie sich das Hell langsam erhebt, geniesse selig und in Ruh, dass hier noch Friede lebt. (c) Christiane Rühmann

Freitag, 29. April 2016

Montag, 4. April 2016

Stauraum für die Seele

Jahreszeiten, in denen wir uns wohl fühlen, sind Stauraum für unsere Seele. Wir müssen nur lernen, unseren gefüllten Tank intelligent zu lagern. Copyright Chrstiane Rühmann / November 2014

Freitag, 1. April 2016

Erkenntnis

Ich wurde geboren, um irgendwann mein eigenes Leben zu leben. Jeder, auch meine älteren 4 Brüder, wurden dazu heran gezogen. Wir alle sollten lernen, mit Erfahrungen umzugehen und unser Dasein selbst zu meistern. Wie es bei meinen Brüdern ist, weiß ich nicht, aber mein e Erfahrung und Erkenntnis ist eine ganz besondere. Mehr oder auch missgünstigere Erfahrungen haben mir gezeigt, dass ich zunächst Erfahrungen sammeln muss, um überhaupt lebensfähig zu sein und es in Zukunft auch bleiben zu können. Ich behaupte sogar heute, niemals Fehler begangen zu haben (außer in einem Diktat in der Schule), sondern lediglich „Erfahrungen“ gesammelt zu haben. Ich werde wegen dieser Aussage sehr oft belächelt, behaupte aber dennoch, damit Recht zu behalten. Erfahrungen sind Erlebnisse, die Dich bereichern ( © Christiane Rühmann)" Gravierende Erlebnisse in meinem Leben haben mich geformt und stark werden lassen. Meine Lebensgeschichte ist schön, tragisch und bedauerlich für den Betrachter, der es je nachdem so auslegt, was auf ihn selbst zutrifft. Ich ermuntere dazu, zu seiner Erfahrung und der sich daraus entwickelten Persönlichkeit zu stehen, sich nicht zu beugen, knicken zu lassen, sondern seinen Weg zu gehen, um zu lernen, Stolpersteine und Stöcke, die einem selbst in den Weg gelegt werden oder wurden, zu übersteigen, den Weg danach zu finden, ohne selbst in den Abgrund abzurutschen! Probleme wurden von Menschen geschaffen, die nicht bereit sind, sich Herausforderungen zu stellen. Selbst der finsterste Weg führt irgendwo hin! Verschließt nicht die Augen vor Realitäten und erst Recht nicht vor der Zukunft, die Euch viel mehr bieten kann, als die Vergangenheit!!! Lebt stattdessen im Hier und Jetzt, denn das ist die Gegenwart, die Euch jetzt umgibt. Schmiedet Pläne und setzt sie um!!! Habt EUCH selbst im Griff und vertraut Euch selbst!!! Selbstvertrauen vertreibt Neider und Zweifel! Jeder hat es in eine Wiege gelegt bekommen!!! Macht was draus…. © Christiane Rühmann (1.4.16)

Samstag, 2. Januar 2016

Klodeckel (aus dem Leben eines Toilettendeckels)

Ich kann Euch was erzählen! Langweilig ist in mein Dasein nichts, das kann ich Euch versichern. Stellt Euch vor, Ihr habt die glorreiche Aufgabe, Villeroy´s kalte Beckenkante mit ein klein wenig Komfort, angenehmer zu machen. Stellt Euch also deshalb auch vor, Ihr passt Euch dem Trichtervolumen geschmeidig an und gebt noch einen drauf – einen Deckel meine ich, gratis sogar. So ist es brav!! Und nun versetzt Euch mal in meine Lage, wenn da jemand kommt, der darmmäßig ein paar Probleme hat und sich dringendst dieser Last entledigen muss. Ok, wenn er es gerade so eben noch schafft, meinen Deckel zu heben, und gut, wenn er sich dann auf meine Brille schmeißt, um sich seiner Not endlich zu entledigen. Das nehme ich gerne hin, denn dazu bin ich ja auch da. Aber was, wenn von seinem ‚dringenden Geschäft‘ Spuren hinterlassen werden? Ich kann ja wohl erwarten, dass man mich dann wieder säubert, oder? Tja, leider ist es mein Schicksal, dass sich über mich niemand Gedanken macht. Wie oft leide ich unter meinem beschissenen Aussehen und wie oft gehe ich wohl angepisst schlafen? Dann muss ich mir auch noch immer die Vorwürfe anhören, wie ich denn wohl aussähe und es sei ja widerlich, sich bei mir und auf mir wohl zu fühlen. Zugegeben, es mag garantiert Orte geben, an denen sich die Lustobjekte der Menschheit wohler fühlen, als bei oder auf mir… Aber dafür kann ich doch nichts!! Ich kann Euch was berichten! Männer sind die Oberhärte! Viele sind immer noch der Meinung, sich ihrer Notdurft im Stehen entledigen zu müssen oder zu wollen. Ich habe diese Typen sogar nummeriert: Nummer eins sind die ekeligste und widerlichste Kategorie der Stehpinkler, die lediglich den Deckel heben, um in den Trichter zu pinkeln, ohne sich ihren Schniedel abzuwischen, wieder in der Hose verschwinden lassen und sich von Mami dann ein bis zweimal pro Woche schön die Unterwäsche waschen lassen. Nummer zwei dieser Ferkel, sind die Typen, die zum Wasser lassen lediglich den Toilettendeckel heben, dann los strullern, die Toilettenrolle vom links oder rechts hängenden Toilettenrollenhalter runter nehmen, um sie dann vor sich, auf die oftmals auf den sich hinter der Toilette befindlichen Absatz abzustellen, nachdem sie ihr bestes Stück abgetrocknet haben. Nummer drei sind für mich die Typen, die nach dem erledigten Bedürfnis dann auch noch den Toilettendeckel hochgeklappt lassen, wenn sie die Räumlichkeit verlassen. Nummer vier sind die Stehpinkler, die es dann noch nicht einmal für nötig halten, nachdem sie das letzte Blatt Papier verbraucht haben, eine neue Toilettenpapierrolle in den Papierhalter zu legen. Mädels können das übrigens auch, nur, dass sie schon wesentlich reinlicher und gewissenhafter sind. Wenigstens reinigen sie (aus Gewissheit, dass es Stehpinkler gibt) meine Brille mit feuchtem Toilettenpapier abwischen, bevor sie es sich auf mir bequem machen. Überwiegend legen sie auch neues Toilettenpapier in die vorgesehen Halter ein, falls welches vorhanden ist, nachdem sie das letzte verbraucht haben. Ich habe schon die krassesten Ärsche in Punkto Reinlichkeit kennen gelernt, das dürft Ihr mir glauben!! An manchen Tagen bin ich echt angepisst und fühle mich recht beschissen! So weit zu meinen kleineren oder größeren Geschäften! Mein Wunsch an alle Ärsche deieser Welt, die von mir profitieren möchten: Macht meine Klappe zu, nachdem Ihr sie geöffnet habt, wischt Eure Hinterlassenschaften von meinem Gesicht und versetzt Euch ganz einfach mal in meine Lage… Schließlich gibt es heute ‚Gleichberechtigung‘! © Christiane Rühmann (März 2015)

Dienstag, 22. Dezember 2015

NICHTS (eine Herz zerreissende Weihnachtsgeschichte)

Nichts…. (eine herzzerreissende Weihnachtsgeschichte) Es ging bereits wieder mit riesigen Schritten auf Weihnachten zu. Schon wieder war der zweite Advent vorbei und Noah hatte noch immer kein Geschenk für seine Pflegeeltern. Der quirlige kleine Kerl war gerade mal 9 Jahre alt und trug sein Haar fast Schulter lang. Es lugte unter seiner braunbeigen Bommelmütze hervor und ließ ihn richtig kess ausschauen. Sein wattierter Anorack in weinroter Farbe zeigte jedoch deutlich, daß hier kaum Geld vorhanden war, neuere oder modernere Kleidung anzuschaffen. Noah lebte seit fast fünf Jahren in einer Pflegefamilie, nachdem seine Eltern bei einem Bahnunglück ums Leben gekommen waren. Zunächst wurde er mit seiner ein Jahr jüngeren Schwester Lena in einem Kinderheim aufgenommen, aber schon bald meldeten sich Interessenten, ein kinderloses Ehepaar, die solchen armen kleinen Existenzen ein neues zu Hause geben wollten. Leider konnte an sie nur eines der Geschwister vermittelt werden, aber auch Lena fand bald darauf eine Pflegefamilie, in die sie einziehen konnte. Nicht einmal fünf Straßen wohnten sie auseinander, so daß sie sich sogar des Öfteren besuchen konnten. Noah´s Pflegeeltern lebten in sehr bescheidenen Verhältnissen. Zwar besaßen sie ein eigenes kleines Häuschen mit einem Garten, wo der Pflegepapa liebevoll für den Familienzuwachs ein Spielparadies errichtet hatte, und auch hier gab es keine großartigen Urlaubsreisen oder allgemein angesagten Markenkonsum. Dies war dem Jungen aber auch nicht so wichtig. Er mochte seine neuen Eltern auf Anhieb, ja, hatte sie sogar richtig lieb gewonnen und packte selbst im Haushalt mit an, wo er nur konnte. Vieles hatte er von seinem Ziehpapa Alex angenommen, der handwerklich sehr geschickt war und vieles an Reparaturen in ihrem kleinen Heim selbst bewerkstelligenen konnte. Stiefmama Elke war einfach nur lieb und ein Hausmütterchen, wie es im Buche steht. Und backen konnte sie, ….hmmm, ihr Apfelkuchen war der beste, den Noah jemals gegessen hatte. Oft hatte er ihr bei der Zubereitung geholfen und konnte ihn sogar schon fast selbst nachbacken. Er fühlte sich rundum wohl, bis, ja bis Alex vor einem Jahr einen Schlaganfall erlitt und seitdem nicht mehr arbeiten konnte. Er konnte kaum noch laufen und selbst das sprechen fiel ihm schwer. Noah war nicht entgangen, dass dadurch auch das Geld immer knapper wurde. Es reichte kaum noch, um das eine oder andere Teil nebenher zu ermöglichen, was nicht auf dem alltäglichen Einkaufszettel stand. Er beschloss daher, sein Taschengeld zu sparen um für seine geliebten Eltern ein kleines Geschenk zu Weihnachten kaufen zu können. Doch so sehr er sich auch anstrengte, viel blieb nie übrig am Monatsende. Schliesslich hatte er selbst doch auch seine kleineren Bedürfnisse. Ab und zu hatte er sich mal einen Kaugummi gekauft oder für seine Schwester ein Haargummi erworben, die diese über alles liebte. Vor einigen Wochen hatte er sogar an der Tankstelle nachgefragt, ob er helfen könne, Autos zu reinigen oder Regale einzuräumen. Er bekam jedoch immer nur schmunzelnd zur Antwort: „Warte, bis Du noch ein paar Jahre älter bist. Du darfst noch nicht arbeiten.“ Also zerplatzten alle seine Hoffnungen wieder und er machte sich langsam ernsthaft Gedanken, womit er denn wenigstens seinen Eltern zu Weihnachten eine kleine Freude bereiten konnte. Es würde ihm schon noch was einfallen, da war er sicher. Er öffnete seine Spardose, zählte das angesammelte Geld, es waren genau 6,25 €, und machte sich auf in die Stadt. Noah durchstöberte im Kaufhaus sämtliche Abteilungen, fand aber nichts, was ihm als angemessenes Geschenk für seine Eltern gefallen hätte, oder es war einfach zu teuer. Zunächst beobachtete er das bunte Treiben und die vielen Menschen, die ihre Einkäufe zum Schluss dann auch noch bei den vorhandenen Einpackservices verpacken ließen. Hübsch sahen die kleineren oder auch grösseren Päckchen aus. Ja, so etwa hatte er sich auch ein Geschenk für seine Eltern vorgestellt. So ein hübsches Kästchen mit einer bunten Schleife sollte es ein. Darin konnte er doch für beide etwas einpacken lassen. Aber, was sollte er da hineinlegen? Traurig und mit gesenktem Kopf verließ er das Kaufhaus wieder und als er sich abends schlafen legte, war er noch überwältigt von dem Gedanken an ein so hübsch eingepacktes buntes Kästchen. Da kam ihm ein Gedanke. Er hatte gelernt, daß arm sein nichts Schlimmes ist. Der innere Wert würde zählen, der gute Wille und der positive Gedanke. Nur ehrlich sollte er sein. Also kramte er in seinem Schrank nach einem hübschen Blatt Papier, setzte sich an seinen Schreibtisch, und schrieb in seiner schönsten Schrift die Worte darauf: „Liebe Mama, lieber Papa, Ihr seid immer so nett zu mir gewesen und ich hätte mich gerne mit einem schönen Geschenk für Eure Liebe bedankt, aber leider habe ich „nichts“. Ich will aber auch von Euch „nichts“ haben, weil ich auch nur so bei Euch glücklich bin. Für mich ist es wichtig, dass wir uns alle gegenseitig ganz doll lieb haben. Und ich habe Euch ganz doll lieb! Euer Noah“. Er faltete das Blatt sorgfältig zu einem Rechteck zusammen und schrieb auf die Aussenseite in Großbuchstaben „NICHTS“ . Mit diesem Blatt begab er sich am anderen Nachmittag dann wieder ins Kaufhaus und suchte sich in der Abteilung, in der es die schönen bunten Schachteln gab, ein sehr schönes Exemplar aus und stapfte damit zum Einpackservice. Geduldig wartete er in der langen Schlange darauf, dass er an die Reihe kam. Hinter ihm standen etwa noch sechs Personen, die ebenso wie er ihre Geschenke verpacken lassen wollten und eine zweite Verpackerin konnte gleichfalls auf eine lange Warteschlange hinblicken. Selbst am dritten oder vierten Verpackungsstandort ging es nicht schneller. Endlich war es so weit. Aufgeregt schaukelte er von einem Bein auf das andere. Er legte die Schachtel auf den Tresen und fragte die freundliche Dame: „Können Sie mir die Schachtel in schönes buntes Papier einpacken und mit einer Schleife umbinden?“ „Ja sicher, das kann ich“, sagte die freundliche Dame. „Aber was soll ich denn da hineinlegen? Wenn nichts drin ist, ist es doch kein Geschenk?“ „Oh ja“, meinte Noah und errötete ein wenig, weil ihm das recht peinlich war. Er kramte in seinem Anorack nach dem Zettel, den er vorbereitet hatte. „Hier bitte, würden Sie den bitte einpacken?“ „Ja gerne, mein Junge, aber darauf steht ja „NICHTS“. „Ja“, sagte Noah,“ ich habe ja leider auch nichts für meine Eltern. Mein Papa ist krank geworden und meine Mama kann auch nicht arbeiten. Ich bin noch zu jung und so kann ich ihnen nur einen kleinen Brief schreiben, in dem steht, dass ich sie ganz doll lieb habe.“ Die freundliche Packerin schluckte und wischte sich unauffällig eine Träne aus ihrem Gesicht. Eine ältere Dame, die hinter Noah wartete, hatte das Gespräch verfolgt und griff spontan nach einem silbernen Schutzengel, die man als Schlüsselanhänger verwenden kann, und die in Massen an einem runden Ständer auf dem Tresen hingen. Sie sprach den Jungen an und fragte ihn: „Schau mal, glaubst Du, Deine Mama würde sich hierüber ein wenig freuen? Das ist ein Schutzengel und wird sie auf all ihren Wegen begleiten.“ Verwundert blickte Noah in die warmen Augen der älteren Dame. „Ja sicher,“ rief er und sein Gesicht hellte sich auf. „Garantiert würde sie sich freuen. Aber das kann ich doch gar nicht annehmen.“ „Doch, Du kannst. Wenn ich es Dir doch anbiete…“ „Danke, danke, danke!“ Noah war fassungslos. Dann stupste ihn jemand auf die Schulter und fragte: „Und Dein Papa, meinst Du, er würde sich über dieses kleine Lederarmband freuen? Es ist zwar nicht viel, aber ich würde es Dir gerne überlassen. So etwas ist im Moment total „in“ und wird ihm sicher gefallen.“ Der junge Mann, der dem Jungen das Lederarmband reichte war ein äusserlich total cooler Typ und hielt Noah das Armband entgegen. Nun konnte auch Noah die Tränen nicht mehr verbergen. „Ich weiss gar nicht, was ich sagen soll! Jetzt muss ich ja meinen Brief neu schreiben, weil ja jetzt nicht mehr „NICHTS“ in dem Kästchen ist, und für meine Schwester kann ich nun auch noch ein paar Haargummis kaufen, so viel Geld habe ich noch, und dann bin ich auch schon fertig……….!“ Er wollte gar nicht mehr aufhören zu plappern und sich zu freuen, als eine junge Frau mit ihrer etwa 10-jährigen Tochter dem Jungen auch noch ein Päckchen bunter Haargummis in die offene Schachtel legte. Niemand in den langen Warteschlangen hatte rumgemosert, weil es so lange gedauert hatte, bis sie selbst an der Reihe waren. Jeder schien zufrieden und sehr gerührt zu sein, den kleinen Kerl mit seiner bunten Schachtel so glücklich zu sehen. „Darf ich sie jetzt zu machen?“ fragte die Packerin und Noah rief lauthals: „Jaaaa!!! Gerne!“ Er drehte sich nochmals zu allen Wartenden um und bölckte mehrfach: „Danke, und Euch allen ein frohes Weihnachtsfest!“ Noah konnte nun kaum erwarten, bis Heiligabend kam. Alex hatte mit Noahs Mutter ein kleines Weihnachtsbäumchen hübsch zurecht geschmückt, dass sie auf ihrem kleinen Grundstück hinter dem Haus vor einigen Jahren gepflanzt hatten. Das Wohnzimmer war feierlich bescheiden hergerichtet worden. Alles war sehr gemütlich. Sogar einige Geschenke lagen unter dem Baum. Stolz holte Noah seine Schachtel und stellte sie ebenfalls dazu. Nachdem sie zu Abend gegessen hatten, sollte es nun Bescherung geben. Noahs Augen leuchteten und seine Wangen glühten vor Aufregung. Zuerst übergab er seine Schachtel in die Hände der Mutter und umarmte zuerst sie und dann seinen Vater liebevoll. „Das ist für Euch, ich hoffe, Ihr freut Euch ein wenig. Ich habe Euch gleich noch gaaanz viel zu erzählen….“ Die Pflegeeltern öffneten das Päckchen und holten die netten kleinen Utensilien, die dort verpackt waren heraus. Als letztes lasen sie den Brief, der bei ihrem Sohn schon fast in Vergessenheit geraten war. Hemmungslos liessen auch sie nun ihren Tränen freien Lauf und umarmten ihren dankbaren kleinen grossen Noah, bis der sich fast von ihnen befreien musste, um überhaupt noch Luft zu bekommen. „Die Haargummis sind allerdings für Lena“, konnte er noch so eben sagen, und, “von wem sind den die anderen Päckchen?” „Stell Dir vor, Noah, es kam ein Bote vom Kaufhaus und hat dies alles hier für uns abgegeben. Wir sollen aber alles erst heute öffnen. Und dann war da noch eine Frau von der Gemeinde, die hat auch noch einige Pakete hier gelassen. Wir sind sprachlos. Wollen wir sie mal alle öffnen?“ Sie begannen die beschilderten Kartons und in buntes Weihnachtspapier eingepackten Überraschungen zu öffnen und trauten ihren Augen kaum. Das Kaufhaus hatte unter anderem einen Geschenkgutschein über einen Warenwert von 500 € beigelegt und in den anderen Paketen befanden sich Bekleidungsstücke für die Eltern, den Jungen und sogar für seine Schwester. Es sollte aber noch schöner kommen. Da war noch ein Umschlag von der Caritas. Hierin befand sich ein Umschulungsangebot einer Behindertenwerkstatt für Alex. Er hätte hier die Möglichkeit, eine Arbeit auszuführen, die seiner jetzigen körperlichen Verfassung entsprach. Es war alles wie – wie …im Märchen, in einem Weihnachtsmärchen! Es klingelte an der Türe. Wer konnte das denn nun noch sein, um diese Uhrzeit? Noah öffnete die Türe und vor ihm stand seine Schwester mit ihrer Pflegefamilie, die gekommen waren, um ein frohes Fest zu wünschen. Sie fielen sich alle gegenseitig in die Arme und trockneten sich gegenseitig manche Freudenträne, als auch sie die Geschehnisse erfuhren. Die freundliche Dame aus dem Kaufhaus, die mit dem Schutzengel, arbeitete bei der Caritas und war dem Jungen bis vor die Haustüre gefolgt, der nette coole Typ mit dem Lederarmband war ebenfalls Sozialarbeiter und kümmerte sich um bedürftige Familien, und die nette junge Frau mit dem Mädchen, das mit Noahs Schwester befreundet war, hatte der Mutter die traurigen Familienverhältnisse erklärt. Den Rest hatte die nette Packerin vom Verpackungsservice im Kaufhaus angeleiert. Sie alle gemeinsam hatten der Familie ein wunderschönes Weihnachtsfest beschert, das sie wohl alle nie mehr im Leben vergessen würden. Es wurde in der Tat ein wunderbares Fest. Das Fest aus „NICHTS“ . © Christiane Rühmann

Montag, 23. November 2015

Ausbildung

Ausbildung (authentisch) Schade! Viele von Euch haben keine Ausbildung durchlebt, die so aufregend war, wie meine. Ich lernte auf dem Amtsgericht ‚Justizangestellte‘ und war damit nicht sehr glücklich! Damals suchten noch die Eltern den Beruf für ihre Kinder aus, dazu gehörte ich auch. Ich sollte Justizangestellte werden… Es gab keinen Widerspruch! Du wirst – und PUNKT! Niemand fragte nach Gefühlen, Empfindungen oder Meinungen. Niemand fragte danach, ob es der Beruf sei, für den ich mich entschieden hätte. ICH wollte immer Automechanikerin werden, weil ich mich damit sehr gut auskannte. Ich wollte schmutzig sein und mit schmierigen Schlüssen und/oder mechanischen Geräten umgehen. Das damalige Gesetz der Gehorsamkeit forderte seinen Tribut. Ich machte eine Ausbildung zur Justizangestellten auf dem Amtsgericht. Boah, fand ich das ätzend!!!! Furztrockene Theorie, lernen und wieder lernen, Leistungsaufträge, aufgrund von Leistung, Sonderaufträge, die entsprechend entlohnt wurden…. Was sollte der ganze Mist? Nur, um meinen Eltern zu gefallen, ihren Willen zu stillen? Jaaa!!! Genau deshalb habe ich alles durchlebt. Wenn ich sage ‚durchlebt‘, dann meine ich das heute nicht mehr im negativen Sinn. Heute mag ich nicht eine Minute mehr aus dieser Zeit missen! Aus der Lehrkanzlei: Kam unsere Ausbilderin von und 16 Azubi’s aus 3 Lehrgängen morgens in den Raum, dann schlotterten uns allen die Beine, weil sie eine sehr launische Dame war. Wir erkannten, dass sie schlecht gelaunt war wenn sie ihr Oller in der vergangenen Nacht nicht rangelassen hatte, oder sie irgendwie anders verärgert war. Schlimme Stunden für uns Azubis. Zwar konnten wir sie nicht alle verstehen, aber ich widerstrebte stets ihrer schlechten Laune! Ich war der Clown unserer 16-köpfigen Horde. Manchmal resignierte selbst ich!. An manch anderen Tagen war sie anders. Weiß der Teufel warum. Ich war während ihrer „Schlechtelaune-Phasen“ immer sehr relaxt und versuchte, sie mit meiner aufmunternden Art wieder auf Strecke zu bringen. In den meisten Fällen gelang es mir auch. Manchmal war aber auch ich ratlos… „Die Olle kann mich mal“, dachte ich, „sie macht genauso beim kacken die Knie krumm, wie ich…“ Prüfung, Oberlandesgericht in Düsseldorf: 46 arme Sauen wie ich, aus mehreren Amtsgerichtsbezirken, aus meinem Bezirk mit mir selbst 3. Prüfung: Schriftlich 2 minus. Mündlich 2 plus!!! Was wollte ich mehr? War schon kritisch! Während der großen Pause saßen alle anwesenden Azubis draußen im Pausenhof auf der Mauer und heulten. Ich konnte das nicht verstehen! Ich stand da und amüsierte mich, bis mich meine Ausbilderin zu sich rief, die umgeben von den Prüfern dieser überaus wichtigen Kommission waren: „Christiane, erzähl mal die Geschichte von den zwei Möglichkeiten…“ Ich konnte es nicht fassen! Das sollte ich jetzt tun? Vor der Prüfungskommission??? Ich tat es!!! Wieder im Saal zur mündlichen Auswertung: Chris hob bei sämtlichen Fragen die Hand, als wäre sie allwissend. Nie wurde ich dran genommen! Nur einmal, und das habe ich so ausführlich und weitschweifend erklären können, dass man mich niemals wieder drangenommen hat! Ich bestand meine Prüfung als Einzige von 46 Azubis mit einem „Gut“, drei bestanden mit einem „Befriedigend“ und der Rest? Tja, der Rest durfte entweder gehen oder wiederholen… Deshalb lohnt es sich immer, eine große Klappe zu haben! Die behalte ich natürlich weiter und bleibe meiner Linie treu! Resultat: Habe stets ne große Klappe, werde niemals zur ‚Attrappe“. Bleibe Deinen Idealen treu, Erfolge folgen – stets aufs Neu`… © Christiane Rühmann (November 2015)

Donnerstag, 23. Juli 2015

Tränen

Tränen sind Ausdruck von Trauer, Rührung, Liebe, Euphorie, Hoffnung, Gefühl! Tränen sind erlösend. Sie gehören zur Anatomie hinzu. Niemand braucht sich seiner Tränen zu schämen, es sei denn, er will sich seiner Seele entledigen, lässt sich seine Gefühle aberkennen, um sich dann zum Tyrannen zu bekennen. Tränen sind befreiend und warten darauf, von einem Freund getrocknet zu werden. Was gibt es Schöneres auf Erden, als von einem Freund getröstet zu werden? Tränen haben eine befreiende Funktion, wer verzichtet auf sie also schon…??

Sonntag, 19. Juli 2015

Jung

Sie waren jung. Sie belogen und betrogen, sie schätzten und hetzten, sie nahmen und gaben, sie lebten und genossen, waren stets sehr unverdrossen, sie eilten und teilten, bis sie dann- in ihrem jetzigen ICH verweilten… © Christiane Rühmann

Montag, 1. Juni 2015

Enkelins Storry Nummer 1

Wir sitzen während der Kommunionszeremonie in einer Kirche in Hamburg-Harburg. Die Familien, Angehörigen und Freunde der Kommunions-Kinder sitzen auf den signierten Bänken und warten auf die Zeremonie. Musikalische Beiträge von Kindern und Jugendlichen verkürzen die Wartezeit. Ein Jeder schaut in das Programm, das vor ihm liegt. Alle studieren die Beiträge und prüfen, ob sie selbst der Liedtexte noch mächtig sind. Langeweile nur für die kleinen Begleiter, die Geschwisterkinder oder die kleinen Kinder der Angehörigen und Freunde. So auch für meine kleine Zuckerschnecke mit ihren zwei Jahren. Sie hat alles registriert. Ich sah ihren kleinen Kopf rauchen vor lauter Fragen. Wenn die Kinder und Jugendlichen ihre musikalischen Beiträge vorbrachten, begann sie zu tanzen und zu klatschen, allerdings nur auf meinem, dem ihrer Mutter, ihres Vaters, oder dem irgendeines Bekannten Schosses. Musik macht ihr eben sehr viel Freude. Das Herumlaufen der Kleinen und auch Großen, wurde durch den sehr sympathischen afrikanischen Priester untersagt. Das Verlassen des Kirchengebäudes war ebenso nicht erwünscht, was ich persönlich nicht verstehen konnte, weil man stattdessen die Unruhe der Kleinstkinder ertragen bzw. regeln musste. Gut – er wollte es so, und trotzdem konnte sich zwangsläufig niemand daran halten, weil Kinder nun mal Kinder sind! Sie plappern laut, haben Hunger, weinen, kreischen und sind unzufrieden auf den steifen Plätzen, auf denen sie 1 ½ Stunden stumm verharren sollten. Ich kenne das aus anderen Kirchengemeinden anders! Egal! Sie war dreimal vor der Tür und hat sich die Beine vertreten und sich auf dem nebenan liegenden Spielplatz abreagieren können, so wie übrigens auch andere Besucherkinder der Heiligen Messe. Als sie leise bei Papa auf dem Arm wieder herein kam, wollte sie auf meinen Schoß. Ich flüsterte ihr ins Ohr, dass sie mal dahin oder dorthin schauen sollte, um sie abzulenken von ihrer Unruhe. Auch hatte ich, wie alle Eltern der lieben Kleinsten, zwei Bilderbücher in die Leiste gepackt, wo sonst nur Gesangbücher liegen. Sie hatte also die Möglichkeit, sich damit abzulenken. Bonbons befanden sich ja in der Tasche einer Bank-Nachbarin… Das war für die kleine Maus auch sehr wichtig und die forderte sie auch von Zeit zu Zeit. Doch dann schaute sie, auf meinen Fingerzeig hin, auf das überdimensional große Kreuz hinter dem Altar, an dem Jesus in erbärmlicher Weise angenagelt war. Ich bemerkte ihre Blicke. Selbst als Erwachsene fiel mir diese deutliche Abstraktion auffällig ins Auge, obwohl meine `abgebrühten` Augen dieses Bildnis mittlerweile gewohnt sind. Es gehört zum Christentum dazu und ist jedoch immer wieder erschreckend – auch für mich. Nach einer kurzen Weile, als sie wohl registriert hatte, was dort dargestellt war, sagte sie ganz laut in einer Sprechpause des Priesters: „ Oma, guck mal, DER ARME ! „ Ohnmächtig musste ich wahrnehmen, dass die Katholiken merkwürdigerweise kein Verständnis für ihre überaus laute und für mich durchaus lustige Aussage, hatten. Als ich mich verstohlen in der Runde umschaute, bemerkte ich nur böse Blicke. Die Menschen anderer Konfessionen beschmunzelten den Ausruf meiner kleinen Zuckerschnecke, weil ich selbst auch Kindermund sehr begrüße! Ich bin jedenfalls stolz auf die Wahrnehmungsfähigkeit meiner kleinen zweijährigen Enkelin. Alle anderen Meinungen sind für mich nichtig und vollkommen unverständlich. „Man kann nicht früh genug mit dem Begreifen beginnen“ (© Christiane Rühmann) Gott oder Jesus hätte diese Bemerkung meiner Enkelin sicherlich gefallen. © Christiane Rühmann (19.05.2014)

Montag, 23. März 2015

Klodeckel (aus dem Leben eines Toilettendeckels)

Ich kann Euch was erzählen! Langweilig ist in mein Dasein nicht, das kann ich Euch versichern. Stellt Euch vor, Ihr habt die glorreiche Aufgabe, Villeroy´s kalte Beckenkante mit ein klein wenig Komfort, angenehmer zu machen. Stellt Euch also deshalb auch vor, Ihr passt Euch dem Trichtervolumen geschmeidig an und gebt noch einen drauf – einen Deckel meine ich, gratis sogar. So ist es brav. Und nun versetzt Euch mal in meine Lage, wenn da jemand kommt, der darmmäßig ein paar Probleme hat und sich dringendst dieser Last entledigen muss. Ok, wenn er es gerade so eben noch schafft, meinen Deckel zu heben, und gut, wenn er sich dann auf meine Brille schmeißt, um sich seiner Not endlich zu entledigen. Das nehme ich gerne hin, denn dazu bin ich ja auch da. Aber was, wenn von seinem ‚dringenden Geschäft‘ Spuren hinterlassen werden? Ich kann ja wohl erwarten, dass man mich dann wieder säubert, oder? Tja, leider ist es mein Schicksal, dass sich über mich niemand Gedanken macht. Wie oft leide ich unter meinem beschissenen Aussehen und wie oft gehe ich wohl angepisst schlafen? Dann muss ich mir auch noch immer die Vorwürfe anhören, wie ich denn wohl aussähe und es sei ja widerlich, sich bei mir und auf mir wohl zu fühlen. Zugegeben, es mag garantiert Orte geben, an denen sich die Lustobjekte der Menschheit wohler fühlen, als bei oder auf mir… Aber dafür kann ich doch nichts…! Ich kann Euch was berichten! Männer sind die Oberhärte! Viele sind immer noch der Meinung, sich ihrer Notdurft im Stehen entledigen zu müssen oder zu wollen. Ich habe diese Typen sogar nummeriert: Nummer eins sind die ekeligste und widerlichste Kategorie der Stehpinkler, die lediglich den Deckel heben, um in den Trichter zu pinkeln, ohne sich ihren Schniedel abzuwischen, wieder in der Hose verschwinden lassen und sich von Mammi dann ein bis zweimal pro Woche schön die Unterwäsche waschen lassen. Nummer zwei dieser Ferkel, sind die Typen, die zum Wasser lassen lediglich den Toilettendeckel heben, dann los strullern, die Toilettenrolle vom links oder rechts hängenden Toilettenrollenhalter runter nehmen, um sie dann vor sich, auf die oftmals die sich hinter der Toilette befindlichen Absatz abzustellen, nachdem sie ihr bestes Stück abgetrocknet haben. Nummer drei sind für mich die Typen, die nach dem erledigten Bedürfnis dann auch noch den Toilettendeckel hochgeklappt lassen, wenn sie die Räumlichkeit verlassen. Nummer vier sind die Stehpinkler, die es dann noch nicht einmal für nötig halten, nachdem sie das letzte Blatt Papier verbraucht haben, eine neue Toilettenpapierrolle in den Papierhalter zu legen. Ich will jetzt überhaupt nicht von den ‚größeren‘ Geschäften dieser Herren reden. Mädels können das übrigens auch, nur dass sie schon wesentlich reinlicher und gewissenhafter sind. Wenigstens reinigen sie (aus Gewissheit, dass es Stehpinkler gibt) meine Brille mit feuchtem Toilettenpapier, bevor sie es sich auf mir bequem machen. Überwiegend legen sie auch neues Toilettenpapier in die vorgesehen Halter ein, falls welches vorhanden ist, nachdem sie das letzte verbraucht haben. Ich habe schon die krassesten Ärsche in Punkto Reinlichkeit kennen gelernt, das dürft Ihr mir glauben. An manchen Tagen bin ich echt angepisst und fühle mich recht beschissen! So weit zu meinen kleineren oder größeren Geschäften! Mein Wunsch an alle Ärsche der Welt, die von mir profitieren möchten: Macht meine Klappe zu, nachdem Ihr sie geöffnet habt, wischt Eure Hinterlassenschaften von meinem Gesicht und versetzt Euch ganz einfach mal in meine Lage… Schließlich gibt es heute ‚Gleichberechtigung‘! © Christiane Rühmann (März 2015)

Dienstag, 24. Februar 2015

Montag, 9. Februar 2015

Mein Neandertaler

Seit vielen Jahren fahre ich wöchentlich mindestens zweimal über die Neandertal-Brücke bei Mettmann. Aus irgendeinem Grund habe ich immer das Bedürfnis, genau auf dieser Brücke zu grunzen und merkwürdige Laute, wie ‚hu hu hu‘ oder Ähnliche von mir zu geben. Meine Blicke fallen dann auf Wiesen und Wälder, die nicht von Zäunen und Strommasten gesäumt oder durchforstet sind. Ich stelle mir vor, wie diese Menschen ihrer Zeit wohl heute staunen würden, wenn sie die unglaublich vielen Fahrzeuge sehen würden, die stündlich über ihr Jagdgebiet rollen. Die nächste Ausfahrt ist dann meine: Hubbelrath. Ich verlasse die Bahn und biege nach links auf die Bergische Landstraße in Richtung Düsseldorf-Gerresheim. Irgendwas war heute anders als sonst. Es war so ruhig, kaum Verkehr. Ich kam mir vor, als sei ich alleine auf der Chausse´. Als ich die Kasernen passiert hatte, fuhr ich bergab durch ein kleines Waldstück, als ich am Straßenrand etwas Braunes kauern sah. Ich dachte an ein Stück Wild, welches möglicherweise angefahren worden war. Als ich die Stelle nicht reagiert habend passiert hatte, bekam ich Skrupel, hielt HONDI an, warf den Rückwärtsgang ein und fuhr vorsichtig rückwärts bis zu der Stelle, an der ich das braune Etwas gesehen hatte. Es hatte sich etwas zurückgezogen, wie ich feststellte, und versuchte sich hinter einem Strauch zu verstecken. Ich hielt auf dem rechten Grünstreifen an, schaltete den Motor ab und stieg aus. Vorsichtig näherte ich mich dem Etwas. Um es besser deuten zu können, kniff ich meine Augen zusammen und traute denselben nicht, als ich dort einen kleinen, halb nackten Körper hinter dem Gebüsch entdeckte. Als ich ihm vorsichtig noch näher kommen wollte, wich er zurück und machte abwehrende Gesten. Ich versuchte ihn zu beruhigen und zischte: ‚Schschsch….. bleib ruhig, ich tue Dir nichts`. Ich streckte ihm die Hand entgegen. Zu meinem Erstaunen griff er nach ihr und beschnüffelte sie, schaute mir in die Augen und schob meinen Mantelärmel nach oben, um meine rockerartigen Lederarmreifen anzuschauen. Er erhob sich an einem Hirtenstock ähnelnden Knüppel und fasste mit seinen schmutzigen Händen sanft in meine Locken. Ich entdeckte ein Lächeln in seinem Gesicht oder das, von dem ich vermutete, dass eins darunter war. Sein verfilztes Haar trug er schulterlang, sein Bart reichte bis zu seiner Brust. Er war mit einem wildlederartigen Gewand bekleidet. Die Arme, Beine und Füße waren nackt. Er musste frieren, denn es war schon recht kalt an diesem Tag im Oktober. Er begann so etwas wie ‚aufzutauen‘ und schlich um mich herum. Merkwürdigerweise verspürte ich keinerlei Angst, im Gegenteil, er tat mir leid. Nun zeigte er mit seinem langen Zeigefinger auf mein Auto und ließ dabei grunzende Geräusche verlauten. Ich nahm ihn bei der Hand und führte ihn behutsam zu meinem Wagen. „Auto“, sagte ich und wiederholte „Auto“. Er versuchte nachzusprechen und murmelte ein tatsächlich ähnlich klingendes Wort. Was sollte ich nun tun? Ich fingerte in der Manteltasche nach einem meiner Smart-Phones. Merkwürdigerweise hatte ich kein Netz und noch immer hatte kein Auto die Landstraße passiert. Also beschloss ich, ihn mitzunehmen, obwohl mir bei dem Gedanken nicht ganz wohl war. Ich konnte Ihn doch nicht einfach dort lassen !! Er müffelte ziemlich und ich konnte mir darüber hinaus nicht sehr gut vorstellen, dass es HONDI gefallen würde, einen solchen Gesellen mitzunehmen. Ich ließ es drauf ankommen und öffnete die Beifahrertür. Er verstand meine einladende Geste nicht, also musste ich ihm vormachen, was ich von ihm erwartete und stieg auf der Beifahrerseite ein, um ihm zu zeigen, was er zu tun hatte, stieg wieder auf und forderte ihn mit einer Handbewegung auf, dasselbe zu tun. Skeptisch folgte er meiner freundlichen Aufforderung. Als er endlich im Innenraum saß, schloss ich die Türe, was jedoch in ihm eine kleine Panikattacke auszulösen schien. Er fuchtelte wild mit seinen Armen und schrie Laute, die ich nicht verstehen konnte. Begreifen konnte ich sie jedoch. Schnell eilte ich auf die Fahrerseite, stieg ebenfalls ein und schloss meine Türe. Da saß ich nun also nun neben einem fast panischen menschartigen Etwas und wusste nicht, was ich tun sollte. Ich griff erneut zu meinem Handy – immer noch kein Netz. Was war hier los? Was sollte ich davon halten? Ich startete den Motor, wobei gleichzeitig das Radio zu spielen begann. Er ließ einen lauten Schrei, stierte auf die Lautsprecher-Boxen und begann zu grinsen. Das schien ihm zu gefallen und sein Körper begann rhythmisch zu zucken. Ich schmunzelte, setzte HONDI in Bewegung und wollte endlich in die Klinik, um meinen wöchentlichen Vortrag zu halten. Vielleicht konnte man mir dort helfen und raten, was ich mit meinem Beifahrer zu tun hatte. Doch, je länger ich fuhr, entfernte ich mich mehr und mehr von der mir so bekannten Klinik. Irgendwie machte es mir aber auch nichts aus. Nach etwa einer Stunde erreichte ich meinen Wohnort und meine Wohnadresse. Ich hatte beschlossen, den immer noch auf meinem Beifahrersitz rockenden Neandertaler zu zivilisieren. Also nahm ich ihn mit in meine Wohnung in der Hoffnung, dass uns niemand aus der Nachbarschaft sehen würde. Offenbar hatte ich es geschafft! Wir waren am Ziel, ohne dass uns jemand bemerkt hatte. Ich öffnete die Wohnungstüre und zog ihn, seine Hand haltend, hinter mir herein. Er schaute sich in gebückter Haltung, grunzend, stinkend und merkwürdige Laute von sich gebend um. Er hatte wohl das Bedürfnis, alles anzufassen, zu beriechen und zu schmecken. Er leckte an meiner Tischdecke, tastete das Laminat ab, klopfte an die Metallfüße der Stühle in meiner Essecke. Als er begann, meine Stumpenkerzen anzuknabbern, stoppte ich ihn. Er hat wohl Hunger dachte ich, und begab mich in die Küche zu meinem Kühlschrank, öffnete diesen, holte Wurst, Käse, Margarine und Brot heraus. Er folgte mir selbstverständlich und staunte, dass es hell wurde, als ich auf einen Knopf, den Lichtschalter drückte. Sofort begann er den Schalter an und aus zu knipsen. An und aus, an und aus, an und aus… Ich kredenzte ihm eine Stulle, von der er nicht wusste, was er damit anfangen sollte. Also biss ich selbst hinein, kaute und rieb mit der Hand meinen Magen, um zu sagen: mmmh, lecker. Er nahm das Brot an und biss hinein, gierig und ohne jegliche Geräuschvermeidung. Das Kauen schien er fast zu vergessen. Hatte er vielleicht keine Zähne? Das konnte ich ja auch nicht feststellen, weil sein Gesichts-Bereich von Barthaaren so zugewuchert war, dass ich darunter sogar kaum eine Mimik feststellen konnte. Wieder grunzte er und ließ merkwürdige Laute von sich. Was sollte ich Nächstes tun? Ich beschloss, ihn zu duschen, rasieren, seine lappige Kleidung zu waschen, ihn zu bekleiden mit Kleidung, die ich noch von meinem verstorbenen Mann gelagert hatte. Irgendwas würde ihm schon passen. Während ich noch überlegte, was ihm wohl passen könnte, schmierte ich ihm unbewusst ein weiteres Brot. Sein lautes Rülpsen ließ mich vorübergehend in die Realität zurückkehren. Um meine Hände zu reinigen hatte ich den Wasserhahn aufgedreht. Er schoss zwei Schritte zurück und war sehr erschrocken, kam allerdings dann vor Neugier wieder einige Schritte nach vorne. Er hatte beobachtet, wie ich das Wasser zum Laufen gebracht hatte und betätigte den Wasserhahn, wieder und wieder und wieder. Das gefiel ihm. Ich öffnete den Küchenschrank und entnahm eine Tasse, um sie für ihn mit Wasser zu füllen. Sicher hatte er Durst. Ich reichte sie ihm. Er führte sie zum Mund und trank gierig. Das schien er also zu kennen – ein Gefäß, aus dem man trinken kann. Er lächelte und rülpste erneut so laut und herzhaft, als sei es für ihn das Selbstverständigste auf der Welt. Der dabei austretende Atem ließ mich fast in Ohnmacht fallen. Ich bewegte mich ins Bad, er folgte. Ich öffnete die Schiebefassade meiner Dusche. Er sollte hineinsteigen, tat es aber nicht, weil er wiedermal nicht wusste, was ich ihm abverlangte. So stieg ich in die Duschtasse und ließ es regnen. Wieder schoss er erschrocken einen Meter zurück. Seine Neugier brachte ihn jedoch ganz schnell wieder in Dunstweite. Ich temperierte das Wasser und ließ das Wasser regnen, während ich versuchte, ihm seine Lappen auszuziehen. Zunächst sträubte er sich, ließ es sich dann jedoch gefallen und sich von mir ausziehen. Als er nackt vor mir stand, begriff ich, was ihm daran gefiel, sich von mir entkleiden zu lassen. Er grinste mich an und ließ erneut Grunze ab, während ich versuchte ihn unter die Dusche zu schieben. Kurzfristig stellte ich das Wasser auf mega frostig . Ab da gings wieder…. Das hatte geholfen! Danach temperierte ich es wieder und begann, ihn mit meinem Edelduschgel und der Bürste einzuseifen, immer mit der anderen Hand an dem eisigen Duschhebel festhaltend. Nun musste ich lachen, denn er sah jetzt wie ein begossener Pudel aus. Das Wasser in meiner Duschtasse war dunkelbraun. Erst, als klares Wasser in dem Siffon verschwand, stellte ich den Wasserknopf aus. Er schaute mich bedröppelt an. Ich legte ihm ein Duschhandtusch über die Schultern. Er schien sich wohlig zu fühlen. Während er das Nass genossen hatte, holte ich schnell einige Bekleidungsstücke, die ich bereit gelegt hatte, um sie ihm anzuziehen. Ich bewegte ihn, sich auf dem Toilettensitz nieder zu lassen, was er auch brav befolgte, nahm eine Schere und entledigte ihn seiner Haare, die er überflüssigerweise im Kopf- und Gesichtsbereich trug, schmiss dann noch meinen Ladys-Shave an und rasierte ihn. Natürlich erschrak er wieder und sprang grunzend auf den Toilettendeckel. Alles musste ich ihm, um die Harmlosigkeit zu demonstrieren, an mir selbst vordemonstrieren. Als ich ihn geschoren hatte, zeigte ich ihn sich im Spiegelschrank. Erneut schrie er auf. Ich hatte vergessen, dass er ja Spiegel nicht kennt! Ich musste lachen und er lachte zaghaft mit. Nun deutete ich ihm mit meinen beiden zusammen gelegten Händen, die ich an meine rechte Wange legte, dass es Zeit zum schlafen ist. Er nickte, folgte mir ins Wohnzimmer und legte sich auf den Fußboden. Ich hob ihn behutsam wieder auf, indem ich ihm meine Hand reichte und deutete auf die Couch, auf der ich ihn schlafen lassen wollte. Er verstand wieder nicht. So zeigte ich ihm, was er tun sollte, indem ich mich selbst darauf legte. Er nickte, legte sich, nachdem ich wieder aufgestanden war ebenso auf die Couch und lächelte. Ich deckte ihn mit einer Wolldecke zu und begab mich in mein eigenes Schlafgemach, die Türe einen Spalt breit geöffnet. Über das Erlebte nachdenkend, schlief ich ein, ohne auch nur einen Hauch von Angst zu verspüren, dass er mir etwas antun könne. Am anderen Morgen wurde ich zeitig wach, weil ich zur Toilette musste und wollte mich an ihm vorbei schleichen, aber er hatte mich sofort wahr genommen und saß senkrecht und verängstigt auf der Couch. Ich beruhigte ihn abermals mit einem ‚schschsch, alles ist gut‘. Ich bereitete das Frühstück vor und hatte mir vorgenommen, ihn danach von der Polizei abholen zu lassen. Ich griff erneut zu meinem Handy und hatte wieder mal kein Netz. Ich nahm das Festnetz-Telefon und stellte fest, dass auch dieses nicht funktionierte. Es signalisierte lediglich ein „Besetzt-Signal“. Thypisch für die letzten Wochen.. Mein Router war defekt. Mal funktionierte es, mal nicht. ‚Keine Panik, Chris‘, suggerierte ich mir ein. Ich deckte den Tisch mit allen Leckereien, die mein Kühlschrank hergab. Er grinste und grabschte nach Allem, was auf meiner Tischplatte lag. Die kleinen Leberwursthäppchen verschlang er, als sei es ein Apfelstückchen. Die Reste davon, also die Kunststoffhülle und die beiden Endklipps spuckte er aus, einfach so… Nicht etwa auf den Boden, sondern auf den Frühstückstisch!!! So konnte es nicht weitergehen! Irgendwann funktionierte mein Netz wieder. Ich informierte die Behörden. Allerdings lachte man mich nur aus und nichts passierte. So beschloss ich, ins Neandertal zu fahren und ihn dort vorzustellen. Das stellte sich jedoch als schwieriger heraus, als ich es mir vorgestellt hatte. Wir traten ins Museum ein. An der Kasse versuchte ich meine/unsere Situation klar zu machen. Auch da wurde ich belächelt, denn mein Neandertaler sah ja mittlerweile recht manierlich und durchaus menschlich und zivilisiert aus. Schaut selbst. Ist er nicht ein smarter Typ. Könnte durchaus mein Nachbar oder sonst Wer aus meinem Bekanntenkreis sein. Mein Neandertaler war in der Lage, sich zivilisiert anzupassen. Im 21. Jahrhundert : Seine wulstigen Augenbrauen hoben sich bereits, als wir den Eingangsbereich des Museums betraten. Mir war sein wohlwollendes Grunzen nicht entgangen. Da man sich jedoch am Empfang bereits meiner –ich gebe zu- wirren klingenden Geschichte nicht beugen wollte, kaufte ich also zwei Eintrittskarten, nahm zwei Ohrhöhrer mit und begab mich mit meinem Steinzeitmenschen ins Museum. Bei jedem Schritt, den wir ab jetzt gingen, erhellten sich seine Blicke und er begann weitere, mir noch nicht bekannte, Laute von sich zu geben. Wir kamen an einen riesigen Glaskasten, hinter dem eine Neandertaler-Familie an einem Feuer demonstriert waren. Mein Typ schmiegte sich an die Scheibe und Tränen rannen aus seinen Augen. Seine Hände versuchten, sich in die dicke Glasschicht einzuarbeiten. Er tat mir leid! Wir hatten ja noch nicht alles gesehen und es fiel mir schwer, ihn zu dem nächsten Demonstrationskasten weiter zu bewegen. Bei jedem weiteren Schritt schaute er mich mit traurigen und tränenden Augen an, so, als wolle er sagen. ‚Hilf mir‘! Ich hatte ihn lieb gewonnen und überlegte, was wohl das Beste für ihn sei. Wir schauten uns in die Augen und ich entschloss, ihn dort zu lassen, alleine das Museum zu verlassen. Seitdem lebt er als Aufsichtsperson in dem Museum, bewacht Seinesgleichen, gaaanz unauffällig als Zivilist. Manchmal besuche ich ihn und wir unterhalten uns über unzivilisierte Zeiten. © Christiane Rühmann (Juli 2014)

Dienstag, 9. Dezember 2014

Was kochen zu Weihnachten (Ähnlichkeiten mit der Geschichte sind tatsächlich Wahrheit, Weihnachten 2009)

Emmely erwartet ihre Kinder aus dem Schwarzwald zu Weihnachten bei sich in Köln. Endlich sollte sie ihr Enkelkind Jonas, der gerade mal 4 Monate alt ist, sehen. Sie freut sich unglaublich auf ihren Sohn, die Schwiegertochter, das Enkelkind und ihre Tochter Mona, die bei ihrem Sohn Tobi lebt, weil sie in Tübingen studiert. Die Geschenke hatte sie alle bereits besorgt. Ein puscheliges Schaukelpferd für Jonas, einen selbst gestrickten modernen Schal für Mona, Lukas, ihr Sohn erhielt einen Schlüsselanhänger mit einem Foto seines kleinen Sohnes, den sie mit einem Foto anfertigen ließ, das ihr die Kinder per email geschickt hatten. Lena, ihre Schwiegertochter, sollte ein Kochbuch erhalten, das Emmely von ihrer Mutter geerbt hatte. Selbst die Hotelzimmer hatte sie bestellt und bereits im Voraus bezahlt, weil ihre Wohnung zu klein war, um alle zu beherbergen. Alles war bestens vorbereitet, bis auf das Essen. Was wollte sie kochen? Was sollte sie kochen? Sie hatte keine Ahnung, was ihre Kinder mittlerweile an Gewohnheiten abgelegt hatten, oder wie sich in ihren Essgewohnheiten verändert hatten. Sie zu fragen, fand sie doof und einfaltslos. Also entschloss sie sich, das zu kochen, von dem sie glaubte, dass es allen schmecken würde. Emmely kaufte Rotkohl, allerdings nicht im Glas, sondern als ‚Kappes‘. Sie wollte ihn selbst zubereiten. Sie kaufte Kartoffeln, um Klöße selbst zuzubereiten, holte beim Schlachter Brühe, um eine geniale Soße zu ihren Braten perfekt kreieren zu können. Einen Tag vor Heiligabend begab sie sich an die Vorbereitungen. Sie kochte die Kartoffeln an, um sie später durchzudrehen, schnitt das Rotkraut, würzte es und ließ es sanft garen. Aber was war mit Fleisch? Was wollte sie für einen Braten dazu machen? Zu Knödel und Rotkraut passt alles: Ente, Rinder-, Schweine-oder Geflügelbraten. Nichts von allen Zubereitungsarten war ihr fremd, nur die Geschmäcker ihrer Kinder waren es auf einmal! Sie mochte nicht extra anrufen und nachfragen, also beschloss Sie, von allem etwas zuzubereiten. Am nächsten Morgen, der letzten Möglichkeit, sich mit Bedürfnissen zu Weihnachten einzudecken, begab sie sich zu ihrem Supermarkt. Der Markt, wo man ‚aldi‘ Dinge bekommt, die man zum Leben braucht, hatte bereits um 11.00 Uhr seine Truhen leer. Emmely zog weiter zum nächsten Discounter, wo man etliche ‚Penny´s‘ sparen kann, stellte jedoch fest, dass auch dort bereits gehamstert wurde. Nach etlichen Durchläufen sämtlicher Discounter in ihrer Umgebung, ließ sie ihre Not zuletzt im Einzelhandel landen. Dort erwarb sie dann letztendlich alles, was sie sich für ein Weihnachtsmahl mit ihren Lieben erstehen konnte. Teuer zwar, aber egal. Zufrieden fuhr sie nach Hause, legte das vielfältige Fleisch ein, setzte sich erschöpft auf die Couch. Zufriedenheit umgab sie. Was sollte jetzt noch das Fest vermiesen? Am Heiligabendmorgen stand Emmely rechtzeitig auf, um das Essen für den Abend vorzubereiten. Sie hatte am Vorabend bereits die kleine Nordmann-Tanne in ihren Ständer verfrachtet und liebevoll mit den Strohsternen, die ihre Kinder ihr vor x Jahren gebastelt hatten, die sie immer noch aufgehoben hatte, und mit einigen bunten Kugeln und Lametta geschmückt. Es machte sich in ihr eine Zufriedenheit breit, weil alles bestens vorbereitet war. Bald würden sie kommen! Ihre Lieben Kinder, Enkelsohn und Schwiegertochter. Bald war es 18 Uhr. Um diese Uhrzeit wollten sie eintreffen. Das Essen war fertig, der Tisch festlich gedeckt, die Geschenke liebevoll unter dem Baum platziert, das Essen auf dem Herd vorbereitet, die Musik leise angestellt. 19.00 Uhr – sie wurde langsam unruhig. Die Kinder waren noch nicht da. Na ja, kann ja mal sein, dass sie in einen Stau gekommen sind. Sicher fahren alle zu Weihnachten zu ihren Familien. Das verursacht schon mal Stau auf der Autobahn. 20.00 Uhr. Ihre Familie hatte sich noch nicht bei ihr gemeldet. Unruhig setzte sie sich ins Wohnzimmer und schaltete die Nachrichten ein. Eine schreckliche Nachricht ließ sie aufschreien. Auf der Autobahn war ein unglaublicher Unfall geschehen. Ein Falschfahrer hatte einen Massenunfall auf der Strecke verursacht, auf der ihre Lieben unterwegs waren. Emmely erlebte die unfassbarsten Bilder im Fernsehen, eines tragischen Unfalls und erkannte unter den Fahrzeugen, die die Kamera streifte, das Fahrzeug ihrer Kinder! Das war ein Irrtum und konnte nicht wahr sein!!!! Ihre Beine gehorchten nicht mehr und sie brach zusammen. Emmily wurde ohnmächtig. Stundenlang. Sie wurde erst wieder wach, als es laut an ihrer Tür klopfte, sie Rufe vernahm, die ihren Namen riefen. Sie erhob sich erschrocken vom Boden und begab sich zur Tür, ohne sich momentan der Situation bewusst zu sein. Der Rest, den die Beamten ihr erzählten, nahm sie nur unrealistisch wahr. Sie war thraumatisiert. Psychologen nahmen sich ihrer an. Lange Jahre hat sie gebraucht, um zu akzeptieren, was das Schicksal für sie bereit hielt. Heute kümmert sie sich um ‚Thrauma-kranke-Menschen‘, nachdem sie verstanden hat, dass man sich nicht zu viele Gedanken um nichtige Dinge, wie z.B. ESSEN, machen soll. Ihr Ratschlag an alle Menschen ist heute der: „Freut Euch, genießt die Momente, lebt Euer Leben und das in der Gewissheit, dass alles kommt, wie es kommen soll. Behaltet Erinnerungen, aber haltet nicht an ihnen fest! Gebt Eurem Leben eine neue Chance, eine neue Richtung, einen neuen Glanz! Kümmert Euch um wichtige Dinge – nicht um Braten, Braten oder Braten…..“ © Christiane Rühmann

Freitag, 29. August 2014

Jung

Sie waren jung. Sie belogen und betrogen, sie schätzten und hetzten, sie nahmen und gaben, sie lebten und genossen, waren stets sehr unverdrossen, sie eilten und teilten, bis sie dann- in ihrem jetzigen ICH verweilten… © Christiane Rühmann

Dienstag, 10. Juni 2014

Heimat ist, wo Pütt ist

Er hatte genug von den angestaubten grauen Fassaden der Siedlung. Das ganze Stadtviertel lebte vom Bergbau. Siggi, wie er hier von allen genannt wurde, lebte immer noch in dem Dachgeschoßzimmer mit Schräge und der primitiv zu handhabenden Dachluke. Er lag auf seinem Bett und starrte gegen die Decke. Eigentlich müsste er mal neu tapezieren, aber er hatte es satt, hier länger zu wohnen. Seit seiner Geburt bewohnte er bereits dieses Zimmer. Seine Schwester hatte ihres nebenan und sein Bruder gegenüber. Alles war so grau und trist. In jedem Zimmer hing ein Bildnis der „Heiligen Barbara“, der Schutzpatronin der Bergleute. Er kannte noch nicht einmal wirklich ihre Geschichte und was sie mit den Bergleuten verband, er wusste nur, dass sie sie, als der Berg sich öffnete, beschützt haben soll, als sie selbst auf der Flucht vor ihrem fürchterlichen Vater war. Und seither, so sagt es die Heiligenerzählung, beschützt sie alle, die den Berg betreten können und sich unter Tage aufhalten. Siggi dachte an seinen Vater, der an seiner Staublunge elendig verstorben war. Es war wohl das Schicksal vieler Bergleute. Er war Steiger und nur darauf bedacht, seine Familie glücklich zu machen. Dass er sie eigentlich unglücklich machte, war ihm wohl niemals in den Sinn gekommen, denn schließlich hatte er doch für alles gesorgt. Trotz Unterbezahlung hatte er es geschafft, seiner Familie eine Doppelhaushälfte zu ermöglichen. Die andere Hälfte bewohnte dessen Bruder Atze mit seiner Familie. Es gab kaum Platz für Spiele – aber es gab viel Platz für viel Herz! Das Wochenende verbrachten sie stets in ihrem kleinen Schrebergarten, gleich neben den Bahnschienen. Er war wie eine Oase, in der sie sich erholen konnten. Hier vergaßen sie ihre ewige Angst vor Grubenunglücken und die Geldnot wegen der ständigen Arzt- und Arzneirechnungen. Nun ja, es war doch irgendwie schön, wenn sie gemeinsam dort hin marschierten und Mutter Apfelkuchen oder „Muschipizza“, wie Onkel Atze frecherweise die Pflaumenplatte nannte, gebacken und alles in dem Bollerwagen verstaute, auf dem auch kurzfristig eine Kiste Bier parkte, in ihre Oase zogen. Die vorbeifahrenden Güterzüge nahm niemand mehr so wirklich wahr. Sie gehörten einfach zu aller Tagesablauf dazu. Man sprach halt etwas lauter, wenn einer vorüber donnerte. Auch sonst war es ja gar nicht so übel hier. Gleich um die Ecke befand sich ein Kiosk, wo es außer den Zigaretten, Zeitungen und einer Flasche Bier auch noch immer ein nettes Pläuschken gab. Daneben befand sich ein altes Ziegelgebäude, hinter dessen poröser Fassade Siggi ein Geheimversteck hatte. Hier hatte er Briefe versteckt, die dem Leser seine heimliche Liebe zu Giesela preisgeben würden. Auch einen Wimpel hatte er dort deponiert, von seinem Verein, dem FC Schalke 04. Zu Hause konnte er ihn nicht aufbewahren, weil sämtliche Freunde und seine Familie Fans des VFL und der BORUSSIA waren. Er war nicht stark genug, zu seinem Verein zu stehen, aber heimlich – heimlich betete er seine Favoriten an. Ja, und nun, nach Vaters Krebstod war er das Familienoberhaupt und hatte dafür zu sorgen, dass Geld in die Kasse floss. Aber er war nun mal kein Bergmann, wie sein jüngerer Bruder oder sein Onkel. Selbst seine Schwester arbeitete auf der Zeche, allerdings in der Verwaltung. Siggi war anders. Er suchte neue Herausforderungen, wollte die Welt sehen, seinen geistigen Horizont erweitern und mehr Geld verdienen, als er es hier auf´m Pütt könne. Er wollte einfach raus aus dem Ruhrpott. Daher hatte er sich bei einer Baufirma beworben, die in Japan nach europäischem Muster Wohnsiedlungen bauten. Er hatte nach Abschluss der Schule Maurer gelernt und war mittlerweile Maurermeister, also für die Baufirma bestens geeignet. Das Vorhaben sollte zwei Jahre dauern und würde ihm außergewöhnlich viel Geld bringen, das er natürlich seiner Familie zu Gute kommen lassen würde. Was hatte er hier denn auch für eine Zukunft? Er musste es nur noch irgendwie seiner Familie beibringen. Nach seiner Offenbarung bei einer Familiensitzung, zeigten jedoch alle mehr Verständnis für seine Entscheidung, als er angenommen hatte. Das erleichterte ihm den Abschied natürlich ungemein. Er packte seine Sachen und folgte dem fast unwiderstehlichen Angebot. Die Zeit verging und sie hatten eine Menge Häuser in Koshido erbaut. Er befand sich bereits seit etwas mehr als einem Jahr hier. Die Baufirma hatte gute Arbeit geleistet und aus diesem Grund weitere Aufträge in Japan erhalten. Er erhielt bei bereits allerbester Bezahlung das Angebot, weitere zwei Jahre hier zu verbringen und den Aufbau voran zu treiben. Sein Lohn sollte weiter aufgestockt werden und darüber hinaus konnte er jedes Vierteljahr einmal nach Hause fliegen. Er stand vor einer neuen Entscheidung. Seine Gedanken kreisten und waren im Moment genau so verstaubt, wie die Fenster in der Umgebung der alten Zeche in seiner Heimat. Je mehr er nachdachte, umso klarer wurde es in seinem Kopf und sein Entschluss immer deutlicher. All das, vor dem er geflüchtet war, wurde zu einer Schlinge, die ihm den Hals zuschnürten. Ihn plagte Heimweh! Ihn, den Revolutionär, den Ausreißer, der vor der Realität davon gelaufen war! Wie mochte sich seine Mutter wohl fühlen, ohne ihn? Was war mit seiner kleinen Schwester, dem Bruder und seinen Kumpels? Was war sein Leben hier überhaupt ohne seinen Pütt? Er war in dem einen Jahr, seitdem er hier war, noch nicht zu Hause gewesen. Briefe, die sie wechselten, brauchten sehr lange und immer beteuerten ihm alle, dass es ihnen gut gehe, zu Hause. Auf einmal liefen Tränen ohne Aufhalt über seine im Lauf der Zeit fahl gewordenen Wangen. Er ließ ihnen ihren Lauf und begann sogar, laut zu schluchzen. Genau da fasste er den Entschluss: Er musste zurück , zurück nach Bottrop in die Zechensiedlung. Er sehnte sich plötzlich nach den Reibereien, die es von Zeit zu Zeit gab, nach den Frühschoppen im Revier, dem Getratsche seiner Familie, Freunden und Nachbarn. Die Fremde war doch nichts für ihn, das wusste er nun. Sie war einfach nicht seine Welt…. Mit einer Notlüge familiärer Art, entließ die Gesellschaft ihn schließlich nach seinem Entlassungsersuchen, vorzeitig aus dem Vertrag, wenn sie ihn auch nicht gerne gehen lassen wollten. Er hatte sogar noch eine Sonderzahlung zu erwarten, weil er mit großem Einsatz für das Unternehmen tätig gewesen war. Erst, als er knapp eine Woche später in der Straßenbahn zur Zeche saß, hellte sich sein Gesicht auf. Alles sah noch genau so aus, wie vor einem Jahr. Niemand wusste von seiner Rückkehr, er wollte alle überraschen. Um selbst erst einmal ‚anzukommen‘, war er drei Stationen vor zu Hause ausgestiegen. Er schulterte seinen Seemannssack und legte den Rest des Weges zu Fuß über die Aegidisstrasse zurück. Wie in Trance stieg er also aus der Bahn, schaute entlang der immer noch rötlichgrauen Häuserfassaden und bemerkte erst jetzt, wie schön Bottrop doch war. Er näherte sich dem alten Ziegelgebäude mit seinen losen Steinen, entfernte, nachdem er sich vergewissert hatte, dass ihn niemand beobachtete, den immer noch losen Block und stellte fest, dass seine Geheimnisse noch vorhanden waren. Er griff in die Jackentasche und zog das Flug- und Bahnticket heraus und legte diese seinen Schätzen bei. Dann verschloss er mit dem Ziegel wieder seinen Geheimbunker und machte sich lächelnd auf den Heimweg. Nur noch ein paar Meter, dann war er daheim. Er klingelte. Eine alte, eingefallene Frau öffnete ihm die Tür – es war seine Mutter. Sie blickten sich nur kurz in die Augen und fielen sich dann in die Arme. „Willkommen zu Hause, mein Junge. Ich wusste, dass Du kommst, habe es gespürt“. Siggi folgte ihr in die Stube und stellte fest, dass sie ihn tatsächlich bereits erwartet zu haben schien. Es sah jedenfalls so aus. Es stand „sein“ Kaffeegedeck auf dem Wohnzimmertisch, und dass es nach frisch gebackenem Apfelkuchen roch, hatte er bereits auf der Straße vor dem Haus wahrgenommen. Liebevoll hatte sie alles zurecht gestellt. Den Kuchen hatte sie bereits in kleine handliche Stücke geschnitten und der frisch aufgebrühte Kaffe wartete in einer Kanne auf einem Stövchen darauf, bald getrunken zu werden. Mutter hatte ihn also tatsächlich erwartet. Tag für Tag glaubte sie an seine Rückkehr, nur heute war sie sich sicher, dass er kommen würde. Endlich war er wieder daheim auf dem Pütt! Wie gut das tat…. Kurz nach seiner Heimkehr erhielt er eine gut bezahlte Stelle als Meister in einem Bauunternehmen. Er begann sogar, seine Gedanken, Empfindungen und Emotionen niederzuschreiben. Er verfasste sie in kleine Kapitel, die er in dem Püttblättchen, das wöchentlich erschien, veröffentlichen konnte. Sie beschrieben sein Erlebtes, den Fortgang und die Heimkehr in sein geliebtes Bottrop. Der Titel seiner Veröffentlichungen lautete: HEIMAT IST, WO PÜTT IST …….. © Christiane Rühmann (20.03.2010)

Donnerstag, 22. Mai 2014

Enkelins Storry Nummer 1

Wir sitzen während der Kommunionszeremonie in einer Kirche in Hamburg-Harburg. Die Familien, Angehörigen und Freunde der Kommunions-Kinder sitzen auf den signierten Bänken und warten auf die Zeremonie. Musikalische Beiträge von Kindern und Jugendlichen verkürzen die Wartezeit. Ein Jeder schaut in das Programm, das vor ihm liegt. Alle studieren die Beiträge und prüfen, ob sie selbst der Liedtexte noch mächtig sind. Langeweile nur für die kleinen Begleiter, die Geschwisterkinder oder die kleinen Kinder der Angehörigen und Freunde. So auch für meine kleine Zuckerschnecke mit ihren zwei Jahren. Sie hat alles registriert. Ich sah ihren kleinen Kopf rauchen vor lauter Fragen. Wenn die Kinder und Jugendlichen ihre musikalischen Beiträge vorbrachten, begann sie zu tanzen und zu klatschen, allerdings nur auf meinem, dem ihrer Mutter, ihres Vaters, oder dem irgendeines Bekannten Schosses. Musik macht ihr eben sehr viel Freude. Das Herumlaufen der Kleinen und auch Großen, wurde durch den sehr sympathischen afrikanischen Priester untersagt. Das Verlassen des Kirchengebäudes war ebenso nicht erwünscht, was ich persönlich nicht verstehen konnte, weil man stattdessen die Unruhe der Kleinstkinder ertragen bzw. regeln musste. Gut – er wollte es so, und trotzdem konnte sich zwangsläufig niemand daran halten, weil Kinder nun mal Kinder sind! Sie plappern laut, haben Hunger, weinen, kreischen und sind unzufrieden auf den steifen Plätzen, auf denen sie 1 ½ Stunden stumm verharren sollten. Ich kenne das aus anderen Kirchengemeinden anders! Egal! Sie war dreimal vor der Tür und hat sich die Beine vertreten und sich auf dem nebenan liegenden Spielplatz abreagieren können, so wie übrigens auch andere Besucherkinder der Heiligen Messe. Als sie leise bei Papa auf dem Arm wieder herein kam, wollte sie auf meinen Schoß. Ich flüsterte ihr ins Ohr, dass sie mal dahin oder dorthin schauen sollte, um sie abzulenken von ihrer Unruhe. Auch hatte ich, wie alle Eltern der lieben Kleinsten, zwei Bilderbücher in die Leiste gepackt, wo sonst nur Gesangbücher liegen. Sie hatte also die Möglichkeit, sich damit abzulenken. Bonbons befanden sich ja in der Tasche einer Bank-Nachbarin… Das war für die kleine Maus auch sehr wichtig und die forderte sie auch von Zeit zu Zeit. Doch dann schaute sie, auf meinen Fingerzeig hin, auf das überdimensional große Kreuz hinter dem Altar, an dem Jesus in erbärmlicher Weise angenagelt war. Ich bemerkte ihre Blicke. Selbst als Erwachsene fiel mir diese deutliche Abstraktion auffällig ins Auge, obwohl meine `abgebrühten` Augen dieses Bildnis mittlerweile gewohnt sind. Es gehört zum Christentum dazu und ist jedoch immer wieder erschreckend – auch für mich. Nach einer kurzen Weile, als sie wohl registriert hatte, was dort dargestellt war, sagte sie ganz laut in einer Sprechpause des Priesters: „ Oma, guck mal, DER ARME ! „ Ohnmächtig musste ich wahrnehmen, dass die Katholiken merkwürdigerweise kein Verständnis für ihre überaus laute und für mich durchaus lustige Aussage, hatten. Als ich mich verstohlen in der Runde umschaute, bemerkte ich nur böse Blicke. Die Menschen anderer Konfessionen beschmunzelten den Ausruf meiner kleinen Zuckerschnecke, weil ich selbst auch Kindermund sehr begrüße! Ich bin jedenfalls stolz auf die Wahrnehmungsfähigkeit meiner kleinen zweijährigen Enkelin. Alle anderen Meinungen sind für mich nichtig und vollkommen unverständlich. „Man kann nicht früh genug mit dem Begreifen beginnen“ (© Christiane Rühmann) Gott oder Jesus hätte diese Bemerkung meiner Enkelin sicherlich gefallen. © Christiane Rühmann (19.05.2014)

Montag, 28. April 2014

Zulassen

Lass Blüten zu in Deinem Herzen, lass Streicheln zu, bei Deinen Schmerzen, lass Liebe zu, alles zu heilen. © Christiane Rühmann