Samstag, 22. September 2012

Trauscheine



Trauscheine sind die offizielle Erlaubnis dafür,
ohne Gewerbeschein Scheidungsanwälte
und Scheidungsrichter zu beschäftigen.

© Christiane Rühmann

Donnerstag, 20. September 2012

Gewürz des Lebens


 
Heute bin ich stolz auf mich.
Ich habe widersprochen.
Bin stark geblieben,
habe meinen Willen nicht brechen lassen.

Es hat mich Tränen gekostet, sehr viele.
Aber mein Rückrat hat es erhalten,
mein Ego bestärkt.
Ich bin stolz auf mich!

Ich war es gewohnt, zu funktionieren.
Jetzt denke ich an mich,
setze Prioritäten - und leide.
Vorrübergehend, nehme ich mir vor.

Zunächst müssen andere leiden,
die stets auf mich bauen,
die mich lieben oder nicht,
mich zu jeder Zeit ausnutzten.

Ich bleibe mir jetzt treu,
werde mich nicht mehr biegen lassen.
Einen Hauch von Diplomatie gebe ich hinzu.
Das ist das Gewürz des Lebens.

Die richtige Dosierung macht das Leben schmackhaft.

Ich bin stolz auf mich!

© Christiane Rühmann

Freitag, 14. September 2012

Teststreifen

Sabine saß im grünen Gras und las.

Dabei der Wind durch ihre Locken wehte,
bis sie ihren Kopf umdrehte,
um zu schauen, wer noch so hier.

Da saß der Schneider mit ´nem Bier,
und Siegbert Müller, das Gerippe
saß auf der Bank, zog an ´ner Kippe.
Frau Müller aus dem Nachbarhaus
führte ihren Dackel aus.

Professor Siebel, der Gescheite,
sich in die Bekanntenkette reihte.
Da war da noch der Opa Schindelkern,
spielt Ball mit seinen Enkelkindern.

Doch was ist das? Ein fremder Mann!
Schau sich einer dieses Prachtstück an!
Gegelte lange Powerlocken,
stylisch gefasstes Sonnenglas,
begann er sich hinzuhocken,
um wohl seinen Schuh zu binden,
konnte doch offensichtlich den Senkel nicht finden.

Nun merkte sie, er ging am Stab,
den es für Blinde als Hilfe gab.
Er tastet ab den offenen Schuh
und band sich diesen schließlich zu.
Er erhob sich, ging gelassen weiter.

Sabine dabei jedoch entdeckte,
dass das Handy, was in seiner Tasche steckte,
ihm aus seiner Jacke war entgleitet,
was sie daraufhin verleitet,
aufzustehn, es aufzuheben,
um es ihm zurück zu geben.

Gesagt getan.
Sie spricht den Fremden an,
der sie, als sie es ihm in die Hand drückte,
sie mit einem Lächeln beglückte.
Bedankt sich bei ihr mit Händedruck,
dabei nicht mehr seine Brille trug.

Sabine war jetzt recht erstaunt,
er eine Entschuldigung raunt,
ihr dabei dann offen verkündet,
dass sie sich jetzt im Film befindet,
sie jetzt ein Filmstar sei,
gedreht für „Vorsicht Kamera“,
und dies ein „Teststreifen“ war.

Wie, das alles war also getürkt?
Sabines Speichel sie jetzt würgt.
Doch bestanden hat sie diese Probe,
erhielt dafür mächtig Lobe
von allen anwesenden Statisten,
die das Klatschen nicht mehr liessen.

Ab da war ihr deutlich klar,
dass ein guter Mensch sie war.

© Christiane Rühmann

Samstag, 8. September 2012

Video von meiner Lesung am 07.9.2012



http://www.youtube.com/watch?v=YXzUH9HGO20&feature=colike
Wenn es Euch Freude bereitet hat, dann würde ich mich über ein freundliches 'gefällt mir' bei Youtube und auch einen Kommentar dazu, sehr freuen.

Eure Chris

Freitag, 17. August 2012

Müller & Müller....... (amüsante Verwechslungsgeschichte)


Wie fast überall im Leben, muss man ganz schön strampeln, um als Networker aus Milch Sahne zu schlagen und somit einen Fuss auf den Tellerrand zu bekommen, um einmal darüber hinausschauen zu können.

Oft ist es so, dass man sich mit dem Produkt, das man überaus überzeugt anpreist, sich identifiziert, zunächst einmal die Garage voll stellt, um die Erfolgsquote nach oben zu treiben. In der Regel sind es Reinigungs-, Nahrungsergänzungsmittel oder aber auch Tausendsassa-Geräte, deren Vertrieb ein Leben in Wohlstand versprechen. Wer viel verkauft, bekommt viel, denn nur wo gehobelt wird, fallen Späne.

Manchen von Euch werden diese Motivationsausdrücke sicherlich bekannt sein.

Viele verlieren nach anfänglichen Misserfolgen den Mut und geben   d a s   Geschäft wieder auf. Dann heisst es von der motivierenden Spitzenelite: Nur die Harten kommen in den Garten.....
Erfolg kann jedoch auch tatsächlich erfolgen, wenn man - na sagen wir mal - einen gewissen naiven und unwiderstehlichen Charme hat, so wie Wolfgang Müller (alle Namen geändert).

Wolfgang wollte sich mit dem Vertrieb von Nahrungsergänzungsmitteln ein zweites Standbein aufbauen, damit er und seine Frau das Haus, an dem sie bauten, schneller fertig stellen und bezahlen konnten. Voller Eifer und mit Feuer im Blut, begab er sich an seine Aufgabe. Es gelang ihm tatsächlich, sich innerhalb einer kurzen Weile enorm nach oben zu arbeiten. Seine Verkaufszahlen sprachen sich für ihn aus. Von vielen bewundert, leistete er sich zunächst ein zweites Fahrzeug, weil er häufig zu Meetings und sogar überregionalen Verkaufsgesprächen ausrücken musste und er seiner Frau nicht die Beweglichkeit nehmen wollte. Wolfgang legte von Monat zu Monat noch eine Schaufel zu und mauserte sich bald zu einem Verkaufsgenie. So kam es, dass er von der Firma zu einem Riesenevent für Verkaufsstars nach Atlanta in die USA eingeladen wurde, um hier seine Ehrung für die Verdienste um das Unternehmen entgegen zu nehmen.

Wolfgang machte sich also mit dem ihm zugesandten Ticket auf den Weg zum Flughafen nach Frankfurt. Beinahe wäre er zu spät gekommen, weil er mal wieder nicht rechtzeitig genug zu Hause losgefahren war. Er liess es of zu lässig angehen. Das hatte soeben noch hingehauen. Er stolperte hocherhitzt mit seiner Reisetasche in den Flieger. Hier traf er bereits auf einige, ebenfalls Topverkäufer, die genau wie er in die Staaten eingeladen worden waren, um dort genauso eine tolle Trainingswoche nebst Preisverleihung zu verleben. Vom Ansehen her kannte er einige Gesichter bereits, aus Meetings.

In Atlanta angekommen, wurde die Gruppe von einem Shuttle-Bus am Flughafen abgeholt und zum Hotel gebracht. Während sich alle an der Rezeption um die reservierten Zimmer bemühten, begab sich Wolfgang erst mal zu den Toiletten. Der Drang - die Aufregung, der lange Flug .... Ihr wisst schon.

Na ja, einchecken konnte er schliesslich immer noch. Also schaute er sich zunächst einmal in dem Hotel um. Einige seiner Reisebegleiter hatten mittlerweile bereits ihr Quartier bezogen und schienen sichtlich zufrieden. Es fehlte an keinem Comfort. Nun wollte auch Wolfgang seinen Schlüssel an der Rezeption abholen.

Da man davon ausgegangen war, die gesamte Reisegruppe abgehandelt zu haben, fragte man ihn am Empfang gesondert nach seinem Namen. Er antwortete lieb und brav "Müller", und so wurde er als Einziger der Gruppe, von einem Pagen auf seine Suite begleitet, welcher sogar noch seine Reisetasche trug, und ....die Hand aufhielt.

Es fehlten nur noch einige Gäste für dieses Riesenevent, und zwar die Macher und Top-Verkäufer aus aller Welt, die mit anderen Fluglinien angereist kamen.

Nachdem auch sie alle eingetroffen waren, eingecheckt hatten und sich dann am Abend zu den übrigen Mitgliedern gesellten, um sich bekannt zu machen, stellte sich heraus, dass der Star-Verkäufer Nr. 1 und zugleich Leiter der Veranstaltung, zufällig auch "Müller" hiess.

Einige von den Teilnehmern, die mitbekommen hatten, dass Wolfgangs Reisetasche von einem Pagen befördert worden war, und die gleichzeitig noch einen Blick in Wolfgangs "Suite" werfen konnten, hatten nun angenommen, dass er der "Müller Nr. 1" war und scharten sich um ihn, um über Verkaufsstrategien und Produkte im Vorfeld einiges mehr zu erfahren, bis - tja, bis dann der echte "Müller Nr. 1" die Bühne betrat und sich bei allen Anwesenden vorstellte. Wolfgang hatte sich schon gewundert, warum alle gerade an ihm solches Interesse zeigten, schliesslich sah er nicht aussergewöhnlich anders aus, als die anderen.

Das sollte sich nun langsam aufklären, als der wahre "Müller Nr. 1" seine spassige Begrüssung hinter sich gebracht hatte und mitteilte, dass es offensichtlich noch einen "Müller" gäbe, der ihm wohl seine von ihm reservierte Suite bewohnt habe und der sich ja wohl sicherlich über so viel Comfort gewundert und gefreut haben müsse.

Wolfgang lief rot an. Aller Augen schauten auf ihn. Es war ihm sichtlich peinlich, als er nun aufgrund des Vorkommnisses nun auch noch auf die Bühne gebeten wurde. Ihm standen die Schweissperlen auf der Stirn als er begann, eine Entschuldigung in das ihm gereichte Mikrofon zu stammel. Er fügte allerdings schelmisch hinzu, dass ihm das Ambiente sehr gut gefallen würde, er aber denn doch bereit wäre, mit der wahren Nr. 1 die Räumlichkeit zu tauschen, falls dieser Wert darauf lege.

"Müller Nr. 1" nahm die Angelegenheit sehr gelassen und versicherte Wolfgang, dass dies genau der Weg und die Strategie sei, die man verfolgen solle, um seinen Weg erfolgreich in diesem Geschäft zu gehen, jede Gelegenheit wahr zu nehmen, die einem geboten wird, um einen Vorteil für sich selbst zu erwirtschaften.  Immerhin hätte er es ja bereits bis nach Atlanta geschafft und das sei schon beeindruckend. Aus diesem Grund dürfe er die Suite während des gesamten Aufenthaltes bewohnen und müsse nicht umziehen.

Das war also geklärt. Wolfgang und Müller Nr. 1 ernteten viel Beifall und Gelächter. Das versprach, eine tolle und lockere Woche zu werden. Wolfgang fühlte sich saumässig wohl und genoss die erlebnisreiche Zeit in dem überaus stilvollen Hotel.

Für Wolfgang ist sie bis heute noch die schönste Verwechslung seines Lebens.......

© Christiane Rühmann

Sonntag, 5. August 2012

Der Besuch


Hab selten so herzlich gelacht,
wie vorhin, als ich an Hubert gedacht.

Ich sah ihn vor mir, auf dem Traktor,
bemerkte dann, als ich ihm folgte,
dass er zur Seite fahren wollte,
um Platz zu schaffen für mein Auto.
Doch Hubert hat sich wohl verschätzt,
fühlte sich durch mich gehetzt
und schoss zur Seite, wie ein Pfeil,
mit dem PS-starken Teil.

Der Blick zurück über die Schulter,
wurde ihm zum Verhängnis.
Er kam mächtig in Bedrängnis,
lenkte sein Gefährt in den Gänseteich
und wurde dabei leichenbleich.
Bis zum Sitz war er abgesunken,
hatt´ noch ein wenig Teich getrunken,
als er sein Gefährt verliess,
sich dabei noch die Rübe stiess,
um das Ufer zu erlangen.

Er wollte mich für den Schaden belangen,
den er sich selbst hat beigebracht.
Er gab sich seinen Flüchen hin
und meinte unter lautem Motzen,
es sei doch alles nur zum kotzen.

Ich bot ihm meine Hilfe an
und seilte nach ´ner Weile dann,
das abgesoffene Objekt,
das übelst in dem Tümpel steckt,
an meinen Abschlepphaken an.

Nun, aus dem Wasserloch gezogen,
glätteten sich die Zornes-Wogen
und Hubert machte sich bekannt,
was ich mächtig lustig fand,
weil ich ihn doch bereits schon kannte,
denn schliesslich waren wir Verwandte.

Er war ein Motzer – aber ein netter,
mein leicht verpeilter alter Vetter,
den ich nur mal besuchen wollte.
Wenn auch nicht auf diese Weise,
...aber trotzdem lache ich noch leise.

Und die Moral von der Geschicht:
Verliert Euch aus den Augen nicht.
Jedenfalls nicht für lange Jahre.
Sonst ist es wie bei mir und Hubert,
auch wenn es den Spaß war wert.

Dass alles so gekommen war,
findet Hubert heute wunderbar.

© Christiane Rühmann

Freitag, 3. August 2012

(Un)geliebtes Nass




Sanft fallen die Tropfen.
Ich schaue zu, bin fasziniert,
bedenkt man, dass ohne deren Klopfen,
die Welt ihr Leben verliert.

Wir schmollen, wenn es uns zu nass,
verlassen kaum das Haus.
Doch verstehen, dass ganz ohne Nass,
unsere Erde steht vor dem AUS.

Wir begreifen und haben registriert,
dass unsere Welt nur dadurch lebt,
sie ihr Dasein gänzlich verliert,
wenn man diesen Segen behebt.

Viel zu leisten ist der Mensch im Stande,
doch Segen entspringt des Universums Natur.
Drum erfreue ich mich hierzulande
des Regens – geniesse den Segen pur!

© Christiane Rühmann