Samstag, 4. November 2017

Der frühe Tag

Nebel schwebt wie weisse Seide über Erdes kühlen Grund. Hoch erhebt sich eine Weide in die frühe Morgenstund. Die Sonne malt den Himmel an in wunderschönen Tönen, um die ganze Welt sodann, mit ihren Strahlen zu verwöhnen. Facettenartig liegt der Hügel am Horizont - wie Scherenschnitt. Selbst der See gleicht einem Spiegel, teilt dadurch seine Schönheit mit. Eine Krähe zerreisst mit schrillem Ruf vorübergehend die Idylle. Ein Morgen – so wie Gott ihn schuf, und schon herrscht wieder Stille. Ich schau mit wachen Augen zu, wie sich das Hell langsam erhebt, geniesse selig und in Ruh, dass hier noch Friede lebt. (c) Christiane Rühmann

Freitag, 29. April 2016

Montag, 4. April 2016

Stauraum für die Seele

Jahreszeiten, in denen wir uns wohl fühlen, sind Stauraum für unsere Seele. Wir müssen nur lernen, unseren gefüllten Tank intelligent zu lagern. Copyright Chrstiane Rühmann / November 2014

Freitag, 1. April 2016

Erkenntnis

Ich wurde geboren, um irgendwann mein eigenes Leben zu leben. Jeder, auch meine älteren 4 Brüder, wurden dazu heran gezogen. Wir alle sollten lernen, mit Erfahrungen umzugehen und unser Dasein selbst zu meistern. Wie es bei meinen Brüdern ist, weiß ich nicht, aber mein e Erfahrung und Erkenntnis ist eine ganz besondere. Mehr oder auch missgünstigere Erfahrungen haben mir gezeigt, dass ich zunächst Erfahrungen sammeln muss, um überhaupt lebensfähig zu sein und es in Zukunft auch bleiben zu können. Ich behaupte sogar heute, niemals Fehler begangen zu haben (außer in einem Diktat in der Schule), sondern lediglich „Erfahrungen“ gesammelt zu haben. Ich werde wegen dieser Aussage sehr oft belächelt, behaupte aber dennoch, damit Recht zu behalten. Erfahrungen sind Erlebnisse, die Dich bereichern ( © Christiane Rühmann)" Gravierende Erlebnisse in meinem Leben haben mich geformt und stark werden lassen. Meine Lebensgeschichte ist schön, tragisch und bedauerlich für den Betrachter, der es je nachdem so auslegt, was auf ihn selbst zutrifft. Ich ermuntere dazu, zu seiner Erfahrung und der sich daraus entwickelten Persönlichkeit zu stehen, sich nicht zu beugen, knicken zu lassen, sondern seinen Weg zu gehen, um zu lernen, Stolpersteine und Stöcke, die einem selbst in den Weg gelegt werden oder wurden, zu übersteigen, den Weg danach zu finden, ohne selbst in den Abgrund abzurutschen! Probleme wurden von Menschen geschaffen, die nicht bereit sind, sich Herausforderungen zu stellen. Selbst der finsterste Weg führt irgendwo hin! Verschließt nicht die Augen vor Realitäten und erst Recht nicht vor der Zukunft, die Euch viel mehr bieten kann, als die Vergangenheit!!! Lebt stattdessen im Hier und Jetzt, denn das ist die Gegenwart, die Euch jetzt umgibt. Schmiedet Pläne und setzt sie um!!! Habt EUCH selbst im Griff und vertraut Euch selbst!!! Selbstvertrauen vertreibt Neider und Zweifel! Jeder hat es in eine Wiege gelegt bekommen!!! Macht was draus…. © Christiane Rühmann (1.4.16)

Samstag, 2. Januar 2016

Klodeckel (aus dem Leben eines Toilettendeckels)

Ich kann Euch was erzählen! Langweilig ist in mein Dasein nichts, das kann ich Euch versichern. Stellt Euch vor, Ihr habt die glorreiche Aufgabe, Villeroy´s kalte Beckenkante mit ein klein wenig Komfort, angenehmer zu machen. Stellt Euch also deshalb auch vor, Ihr passt Euch dem Trichtervolumen geschmeidig an und gebt noch einen drauf – einen Deckel meine ich, gratis sogar. So ist es brav!! Und nun versetzt Euch mal in meine Lage, wenn da jemand kommt, der darmmäßig ein paar Probleme hat und sich dringendst dieser Last entledigen muss. Ok, wenn er es gerade so eben noch schafft, meinen Deckel zu heben, und gut, wenn er sich dann auf meine Brille schmeißt, um sich seiner Not endlich zu entledigen. Das nehme ich gerne hin, denn dazu bin ich ja auch da. Aber was, wenn von seinem ‚dringenden Geschäft‘ Spuren hinterlassen werden? Ich kann ja wohl erwarten, dass man mich dann wieder säubert, oder? Tja, leider ist es mein Schicksal, dass sich über mich niemand Gedanken macht. Wie oft leide ich unter meinem beschissenen Aussehen und wie oft gehe ich wohl angepisst schlafen? Dann muss ich mir auch noch immer die Vorwürfe anhören, wie ich denn wohl aussähe und es sei ja widerlich, sich bei mir und auf mir wohl zu fühlen. Zugegeben, es mag garantiert Orte geben, an denen sich die Lustobjekte der Menschheit wohler fühlen, als bei oder auf mir… Aber dafür kann ich doch nichts!! Ich kann Euch was berichten! Männer sind die Oberhärte! Viele sind immer noch der Meinung, sich ihrer Notdurft im Stehen entledigen zu müssen oder zu wollen. Ich habe diese Typen sogar nummeriert: Nummer eins sind die ekeligste und widerlichste Kategorie der Stehpinkler, die lediglich den Deckel heben, um in den Trichter zu pinkeln, ohne sich ihren Schniedel abzuwischen, wieder in der Hose verschwinden lassen und sich von Mami dann ein bis zweimal pro Woche schön die Unterwäsche waschen lassen. Nummer zwei dieser Ferkel, sind die Typen, die zum Wasser lassen lediglich den Toilettendeckel heben, dann los strullern, die Toilettenrolle vom links oder rechts hängenden Toilettenrollenhalter runter nehmen, um sie dann vor sich, auf die oftmals auf den sich hinter der Toilette befindlichen Absatz abzustellen, nachdem sie ihr bestes Stück abgetrocknet haben. Nummer drei sind für mich die Typen, die nach dem erledigten Bedürfnis dann auch noch den Toilettendeckel hochgeklappt lassen, wenn sie die Räumlichkeit verlassen. Nummer vier sind die Stehpinkler, die es dann noch nicht einmal für nötig halten, nachdem sie das letzte Blatt Papier verbraucht haben, eine neue Toilettenpapierrolle in den Papierhalter zu legen. Mädels können das übrigens auch, nur, dass sie schon wesentlich reinlicher und gewissenhafter sind. Wenigstens reinigen sie (aus Gewissheit, dass es Stehpinkler gibt) meine Brille mit feuchtem Toilettenpapier abwischen, bevor sie es sich auf mir bequem machen. Überwiegend legen sie auch neues Toilettenpapier in die vorgesehen Halter ein, falls welches vorhanden ist, nachdem sie das letzte verbraucht haben. Ich habe schon die krassesten Ärsche in Punkto Reinlichkeit kennen gelernt, das dürft Ihr mir glauben!! An manchen Tagen bin ich echt angepisst und fühle mich recht beschissen! So weit zu meinen kleineren oder größeren Geschäften! Mein Wunsch an alle Ärsche deieser Welt, die von mir profitieren möchten: Macht meine Klappe zu, nachdem Ihr sie geöffnet habt, wischt Eure Hinterlassenschaften von meinem Gesicht und versetzt Euch ganz einfach mal in meine Lage… Schließlich gibt es heute ‚Gleichberechtigung‘! © Christiane Rühmann (März 2015)

Dienstag, 22. Dezember 2015

NICHTS (eine Herz zerreissende Weihnachtsgeschichte)

Nichts…. (eine herzzerreissende Weihnachtsgeschichte) Es ging bereits wieder mit riesigen Schritten auf Weihnachten zu. Schon wieder war der zweite Advent vorbei und Noah hatte noch immer kein Geschenk für seine Pflegeeltern. Der quirlige kleine Kerl war gerade mal 9 Jahre alt und trug sein Haar fast Schulter lang. Es lugte unter seiner braunbeigen Bommelmütze hervor und ließ ihn richtig kess ausschauen. Sein wattierter Anorack in weinroter Farbe zeigte jedoch deutlich, daß hier kaum Geld vorhanden war, neuere oder modernere Kleidung anzuschaffen. Noah lebte seit fast fünf Jahren in einer Pflegefamilie, nachdem seine Eltern bei einem Bahnunglück ums Leben gekommen waren. Zunächst wurde er mit seiner ein Jahr jüngeren Schwester Lena in einem Kinderheim aufgenommen, aber schon bald meldeten sich Interessenten, ein kinderloses Ehepaar, die solchen armen kleinen Existenzen ein neues zu Hause geben wollten. Leider konnte an sie nur eines der Geschwister vermittelt werden, aber auch Lena fand bald darauf eine Pflegefamilie, in die sie einziehen konnte. Nicht einmal fünf Straßen wohnten sie auseinander, so daß sie sich sogar des Öfteren besuchen konnten. Noah´s Pflegeeltern lebten in sehr bescheidenen Verhältnissen. Zwar besaßen sie ein eigenes kleines Häuschen mit einem Garten, wo der Pflegepapa liebevoll für den Familienzuwachs ein Spielparadies errichtet hatte, und auch hier gab es keine großartigen Urlaubsreisen oder allgemein angesagten Markenkonsum. Dies war dem Jungen aber auch nicht so wichtig. Er mochte seine neuen Eltern auf Anhieb, ja, hatte sie sogar richtig lieb gewonnen und packte selbst im Haushalt mit an, wo er nur konnte. Vieles hatte er von seinem Ziehpapa Alex angenommen, der handwerklich sehr geschickt war und vieles an Reparaturen in ihrem kleinen Heim selbst bewerkstelligenen konnte. Stiefmama Elke war einfach nur lieb und ein Hausmütterchen, wie es im Buche steht. Und backen konnte sie, ….hmmm, ihr Apfelkuchen war der beste, den Noah jemals gegessen hatte. Oft hatte er ihr bei der Zubereitung geholfen und konnte ihn sogar schon fast selbst nachbacken. Er fühlte sich rundum wohl, bis, ja bis Alex vor einem Jahr einen Schlaganfall erlitt und seitdem nicht mehr arbeiten konnte. Er konnte kaum noch laufen und selbst das sprechen fiel ihm schwer. Noah war nicht entgangen, dass dadurch auch das Geld immer knapper wurde. Es reichte kaum noch, um das eine oder andere Teil nebenher zu ermöglichen, was nicht auf dem alltäglichen Einkaufszettel stand. Er beschloss daher, sein Taschengeld zu sparen um für seine geliebten Eltern ein kleines Geschenk zu Weihnachten kaufen zu können. Doch so sehr er sich auch anstrengte, viel blieb nie übrig am Monatsende. Schliesslich hatte er selbst doch auch seine kleineren Bedürfnisse. Ab und zu hatte er sich mal einen Kaugummi gekauft oder für seine Schwester ein Haargummi erworben, die diese über alles liebte. Vor einigen Wochen hatte er sogar an der Tankstelle nachgefragt, ob er helfen könne, Autos zu reinigen oder Regale einzuräumen. Er bekam jedoch immer nur schmunzelnd zur Antwort: „Warte, bis Du noch ein paar Jahre älter bist. Du darfst noch nicht arbeiten.“ Also zerplatzten alle seine Hoffnungen wieder und er machte sich langsam ernsthaft Gedanken, womit er denn wenigstens seinen Eltern zu Weihnachten eine kleine Freude bereiten konnte. Es würde ihm schon noch was einfallen, da war er sicher. Er öffnete seine Spardose, zählte das angesammelte Geld, es waren genau 6,25 €, und machte sich auf in die Stadt. Noah durchstöberte im Kaufhaus sämtliche Abteilungen, fand aber nichts, was ihm als angemessenes Geschenk für seine Eltern gefallen hätte, oder es war einfach zu teuer. Zunächst beobachtete er das bunte Treiben und die vielen Menschen, die ihre Einkäufe zum Schluss dann auch noch bei den vorhandenen Einpackservices verpacken ließen. Hübsch sahen die kleineren oder auch grösseren Päckchen aus. Ja, so etwa hatte er sich auch ein Geschenk für seine Eltern vorgestellt. So ein hübsches Kästchen mit einer bunten Schleife sollte es ein. Darin konnte er doch für beide etwas einpacken lassen. Aber, was sollte er da hineinlegen? Traurig und mit gesenktem Kopf verließ er das Kaufhaus wieder und als er sich abends schlafen legte, war er noch überwältigt von dem Gedanken an ein so hübsch eingepacktes buntes Kästchen. Da kam ihm ein Gedanke. Er hatte gelernt, daß arm sein nichts Schlimmes ist. Der innere Wert würde zählen, der gute Wille und der positive Gedanke. Nur ehrlich sollte er sein. Also kramte er in seinem Schrank nach einem hübschen Blatt Papier, setzte sich an seinen Schreibtisch, und schrieb in seiner schönsten Schrift die Worte darauf: „Liebe Mama, lieber Papa, Ihr seid immer so nett zu mir gewesen und ich hätte mich gerne mit einem schönen Geschenk für Eure Liebe bedankt, aber leider habe ich „nichts“. Ich will aber auch von Euch „nichts“ haben, weil ich auch nur so bei Euch glücklich bin. Für mich ist es wichtig, dass wir uns alle gegenseitig ganz doll lieb haben. Und ich habe Euch ganz doll lieb! Euer Noah“. Er faltete das Blatt sorgfältig zu einem Rechteck zusammen und schrieb auf die Aussenseite in Großbuchstaben „NICHTS“ . Mit diesem Blatt begab er sich am anderen Nachmittag dann wieder ins Kaufhaus und suchte sich in der Abteilung, in der es die schönen bunten Schachteln gab, ein sehr schönes Exemplar aus und stapfte damit zum Einpackservice. Geduldig wartete er in der langen Schlange darauf, dass er an die Reihe kam. Hinter ihm standen etwa noch sechs Personen, die ebenso wie er ihre Geschenke verpacken lassen wollten und eine zweite Verpackerin konnte gleichfalls auf eine lange Warteschlange hinblicken. Selbst am dritten oder vierten Verpackungsstandort ging es nicht schneller. Endlich war es so weit. Aufgeregt schaukelte er von einem Bein auf das andere. Er legte die Schachtel auf den Tresen und fragte die freundliche Dame: „Können Sie mir die Schachtel in schönes buntes Papier einpacken und mit einer Schleife umbinden?“ „Ja sicher, das kann ich“, sagte die freundliche Dame. „Aber was soll ich denn da hineinlegen? Wenn nichts drin ist, ist es doch kein Geschenk?“ „Oh ja“, meinte Noah und errötete ein wenig, weil ihm das recht peinlich war. Er kramte in seinem Anorack nach dem Zettel, den er vorbereitet hatte. „Hier bitte, würden Sie den bitte einpacken?“ „Ja gerne, mein Junge, aber darauf steht ja „NICHTS“. „Ja“, sagte Noah,“ ich habe ja leider auch nichts für meine Eltern. Mein Papa ist krank geworden und meine Mama kann auch nicht arbeiten. Ich bin noch zu jung und so kann ich ihnen nur einen kleinen Brief schreiben, in dem steht, dass ich sie ganz doll lieb habe.“ Die freundliche Packerin schluckte und wischte sich unauffällig eine Träne aus ihrem Gesicht. Eine ältere Dame, die hinter Noah wartete, hatte das Gespräch verfolgt und griff spontan nach einem silbernen Schutzengel, die man als Schlüsselanhänger verwenden kann, und die in Massen an einem runden Ständer auf dem Tresen hingen. Sie sprach den Jungen an und fragte ihn: „Schau mal, glaubst Du, Deine Mama würde sich hierüber ein wenig freuen? Das ist ein Schutzengel und wird sie auf all ihren Wegen begleiten.“ Verwundert blickte Noah in die warmen Augen der älteren Dame. „Ja sicher,“ rief er und sein Gesicht hellte sich auf. „Garantiert würde sie sich freuen. Aber das kann ich doch gar nicht annehmen.“ „Doch, Du kannst. Wenn ich es Dir doch anbiete…“ „Danke, danke, danke!“ Noah war fassungslos. Dann stupste ihn jemand auf die Schulter und fragte: „Und Dein Papa, meinst Du, er würde sich über dieses kleine Lederarmband freuen? Es ist zwar nicht viel, aber ich würde es Dir gerne überlassen. So etwas ist im Moment total „in“ und wird ihm sicher gefallen.“ Der junge Mann, der dem Jungen das Lederarmband reichte war ein äusserlich total cooler Typ und hielt Noah das Armband entgegen. Nun konnte auch Noah die Tränen nicht mehr verbergen. „Ich weiss gar nicht, was ich sagen soll! Jetzt muss ich ja meinen Brief neu schreiben, weil ja jetzt nicht mehr „NICHTS“ in dem Kästchen ist, und für meine Schwester kann ich nun auch noch ein paar Haargummis kaufen, so viel Geld habe ich noch, und dann bin ich auch schon fertig……….!“ Er wollte gar nicht mehr aufhören zu plappern und sich zu freuen, als eine junge Frau mit ihrer etwa 10-jährigen Tochter dem Jungen auch noch ein Päckchen bunter Haargummis in die offene Schachtel legte. Niemand in den langen Warteschlangen hatte rumgemosert, weil es so lange gedauert hatte, bis sie selbst an der Reihe waren. Jeder schien zufrieden und sehr gerührt zu sein, den kleinen Kerl mit seiner bunten Schachtel so glücklich zu sehen. „Darf ich sie jetzt zu machen?“ fragte die Packerin und Noah rief lauthals: „Jaaaa!!! Gerne!“ Er drehte sich nochmals zu allen Wartenden um und bölckte mehrfach: „Danke, und Euch allen ein frohes Weihnachtsfest!“ Noah konnte nun kaum erwarten, bis Heiligabend kam. Alex hatte mit Noahs Mutter ein kleines Weihnachtsbäumchen hübsch zurecht geschmückt, dass sie auf ihrem kleinen Grundstück hinter dem Haus vor einigen Jahren gepflanzt hatten. Das Wohnzimmer war feierlich bescheiden hergerichtet worden. Alles war sehr gemütlich. Sogar einige Geschenke lagen unter dem Baum. Stolz holte Noah seine Schachtel und stellte sie ebenfalls dazu. Nachdem sie zu Abend gegessen hatten, sollte es nun Bescherung geben. Noahs Augen leuchteten und seine Wangen glühten vor Aufregung. Zuerst übergab er seine Schachtel in die Hände der Mutter und umarmte zuerst sie und dann seinen Vater liebevoll. „Das ist für Euch, ich hoffe, Ihr freut Euch ein wenig. Ich habe Euch gleich noch gaaanz viel zu erzählen….“ Die Pflegeeltern öffneten das Päckchen und holten die netten kleinen Utensilien, die dort verpackt waren heraus. Als letztes lasen sie den Brief, der bei ihrem Sohn schon fast in Vergessenheit geraten war. Hemmungslos liessen auch sie nun ihren Tränen freien Lauf und umarmten ihren dankbaren kleinen grossen Noah, bis der sich fast von ihnen befreien musste, um überhaupt noch Luft zu bekommen. „Die Haargummis sind allerdings für Lena“, konnte er noch so eben sagen, und, “von wem sind den die anderen Päckchen?” „Stell Dir vor, Noah, es kam ein Bote vom Kaufhaus und hat dies alles hier für uns abgegeben. Wir sollen aber alles erst heute öffnen. Und dann war da noch eine Frau von der Gemeinde, die hat auch noch einige Pakete hier gelassen. Wir sind sprachlos. Wollen wir sie mal alle öffnen?“ Sie begannen die beschilderten Kartons und in buntes Weihnachtspapier eingepackten Überraschungen zu öffnen und trauten ihren Augen kaum. Das Kaufhaus hatte unter anderem einen Geschenkgutschein über einen Warenwert von 500 € beigelegt und in den anderen Paketen befanden sich Bekleidungsstücke für die Eltern, den Jungen und sogar für seine Schwester. Es sollte aber noch schöner kommen. Da war noch ein Umschlag von der Caritas. Hierin befand sich ein Umschulungsangebot einer Behindertenwerkstatt für Alex. Er hätte hier die Möglichkeit, eine Arbeit auszuführen, die seiner jetzigen körperlichen Verfassung entsprach. Es war alles wie – wie …im Märchen, in einem Weihnachtsmärchen! Es klingelte an der Türe. Wer konnte das denn nun noch sein, um diese Uhrzeit? Noah öffnete die Türe und vor ihm stand seine Schwester mit ihrer Pflegefamilie, die gekommen waren, um ein frohes Fest zu wünschen. Sie fielen sich alle gegenseitig in die Arme und trockneten sich gegenseitig manche Freudenträne, als auch sie die Geschehnisse erfuhren. Die freundliche Dame aus dem Kaufhaus, die mit dem Schutzengel, arbeitete bei der Caritas und war dem Jungen bis vor die Haustüre gefolgt, der nette coole Typ mit dem Lederarmband war ebenfalls Sozialarbeiter und kümmerte sich um bedürftige Familien, und die nette junge Frau mit dem Mädchen, das mit Noahs Schwester befreundet war, hatte der Mutter die traurigen Familienverhältnisse erklärt. Den Rest hatte die nette Packerin vom Verpackungsservice im Kaufhaus angeleiert. Sie alle gemeinsam hatten der Familie ein wunderschönes Weihnachtsfest beschert, das sie wohl alle nie mehr im Leben vergessen würden. Es wurde in der Tat ein wunderbares Fest. Das Fest aus „NICHTS“ . © Christiane Rühmann

Montag, 23. November 2015

Ausbildung

Ausbildung (authentisch) Schade! Viele von Euch haben keine Ausbildung durchlebt, die so aufregend war, wie meine. Ich lernte auf dem Amtsgericht ‚Justizangestellte‘ und war damit nicht sehr glücklich! Damals suchten noch die Eltern den Beruf für ihre Kinder aus, dazu gehörte ich auch. Ich sollte Justizangestellte werden… Es gab keinen Widerspruch! Du wirst – und PUNKT! Niemand fragte nach Gefühlen, Empfindungen oder Meinungen. Niemand fragte danach, ob es der Beruf sei, für den ich mich entschieden hätte. ICH wollte immer Automechanikerin werden, weil ich mich damit sehr gut auskannte. Ich wollte schmutzig sein und mit schmierigen Schlüssen und/oder mechanischen Geräten umgehen. Das damalige Gesetz der Gehorsamkeit forderte seinen Tribut. Ich machte eine Ausbildung zur Justizangestellten auf dem Amtsgericht. Boah, fand ich das ätzend!!!! Furztrockene Theorie, lernen und wieder lernen, Leistungsaufträge, aufgrund von Leistung, Sonderaufträge, die entsprechend entlohnt wurden…. Was sollte der ganze Mist? Nur, um meinen Eltern zu gefallen, ihren Willen zu stillen? Jaaa!!! Genau deshalb habe ich alles durchlebt. Wenn ich sage ‚durchlebt‘, dann meine ich das heute nicht mehr im negativen Sinn. Heute mag ich nicht eine Minute mehr aus dieser Zeit missen! Aus der Lehrkanzlei: Kam unsere Ausbilderin von und 16 Azubi’s aus 3 Lehrgängen morgens in den Raum, dann schlotterten uns allen die Beine, weil sie eine sehr launische Dame war. Wir erkannten, dass sie schlecht gelaunt war wenn sie ihr Oller in der vergangenen Nacht nicht rangelassen hatte, oder sie irgendwie anders verärgert war. Schlimme Stunden für uns Azubis. Zwar konnten wir sie nicht alle verstehen, aber ich widerstrebte stets ihrer schlechten Laune! Ich war der Clown unserer 16-köpfigen Horde. Manchmal resignierte selbst ich!. An manch anderen Tagen war sie anders. Weiß der Teufel warum. Ich war während ihrer „Schlechtelaune-Phasen“ immer sehr relaxt und versuchte, sie mit meiner aufmunternden Art wieder auf Strecke zu bringen. In den meisten Fällen gelang es mir auch. Manchmal war aber auch ich ratlos… „Die Olle kann mich mal“, dachte ich, „sie macht genauso beim kacken die Knie krumm, wie ich…“ Prüfung, Oberlandesgericht in Düsseldorf: 46 arme Sauen wie ich, aus mehreren Amtsgerichtsbezirken, aus meinem Bezirk mit mir selbst 3. Prüfung: Schriftlich 2 minus. Mündlich 2 plus!!! Was wollte ich mehr? War schon kritisch! Während der großen Pause saßen alle anwesenden Azubis draußen im Pausenhof auf der Mauer und heulten. Ich konnte das nicht verstehen! Ich stand da und amüsierte mich, bis mich meine Ausbilderin zu sich rief, die umgeben von den Prüfern dieser überaus wichtigen Kommission waren: „Christiane, erzähl mal die Geschichte von den zwei Möglichkeiten…“ Ich konnte es nicht fassen! Das sollte ich jetzt tun? Vor der Prüfungskommission??? Ich tat es!!! Wieder im Saal zur mündlichen Auswertung: Chris hob bei sämtlichen Fragen die Hand, als wäre sie allwissend. Nie wurde ich dran genommen! Nur einmal, und das habe ich so ausführlich und weitschweifend erklären können, dass man mich niemals wieder drangenommen hat! Ich bestand meine Prüfung als Einzige von 46 Azubis mit einem „Gut“, drei bestanden mit einem „Befriedigend“ und der Rest? Tja, der Rest durfte entweder gehen oder wiederholen… Deshalb lohnt es sich immer, eine große Klappe zu haben! Die behalte ich natürlich weiter und bleibe meiner Linie treu! Resultat: Habe stets ne große Klappe, werde niemals zur ‚Attrappe“. Bleibe Deinen Idealen treu, Erfolge folgen – stets aufs Neu`… © Christiane Rühmann (November 2015)